Mit den richtigen Glaubenssätzen zum nachhaltigen Unternehmenserfolg

von | 26.04.2020 | Unternehmerpersönlichkeit

Glaubenssätze sind ein fester Bestandteil unserer Persönlichkeit, sowohl förderliche als auch hinderliche. Im Grunde sind Glaubenssätze nichts sehr viel anderes als Vorannahmen: Wir haben ein Urteil über etwas gefällt und das glauben wir – manchmal Zeit unseres Lebens. Zum Teil sind das ganz persönliche Glaubenssätze, die wir in den meisten Fällen von unseren Eltern oder Lehrern übernommen haben, zum Teil sind sie kollektiv fest verankert.

Jeder Mensch hat Glaubenssätze 

Jeder Mensch hat sie, auch Unternehmer*innen – und wenn wir über Deine Unternehmerpersönlichkeit sprechen, bedürfen auch Deine Glaubenssätze einer regelmäßigen Reflexion. Lass uns also schauen, wie es um Deine Glaubenssätze bestellt ist.

Einer meiner persönlichen Glaubenssätze ist zum Beispiel: „Juliane, Du könntest alles schaffen, was Du willst. Aber Du bist einfach zu faul.“ Das habe ich in meiner Kindheit und Jugend sehr oft gehört. Ob es nun stimmt oder nicht, spielt erstmal gar keine so große Rolle. Das eigentliche Problem dabei ist: Ich habe mich sehr lange darauf ausgeruht. Denn ich könnte ja alles, wenn ich wollte. Und so lange ich einfach nichts mache, habe ich auch nichts zu verlieren. Wenn ich aber doch etwas angehe, kann ich scheitern. Und dann? Hätten vielleicht alle unrecht? Dann wäre der Ruf meines imaginären Riesen-Potenzials ganz schnell dahin und ich stünde im Grunde schlechter da als jetzt. Oder? Mittlerweile bin ich so weit, dass mich dieser Glaubenssatz nicht mehr beeinflusst. Aber dazu später mehr.

 

Fang bei Dir selbst an

Was ist es für Dich? Was sind Deine persönlichen Glaubenssätze? Was haben Eltern, Lehrer, Geschwister oder auch Freunde in Deiner Kindheit und Jugend immer wieder über Dich oder zu Dir gesagt? 

Nimm Dir bitte mal einen Stift und Papier und schreibe alles auf, was Dir einfällt. Differenziere zwischen den förderlichen Sätzen, die Dich in Deiner Entwicklung voranbringen und denen, die Du als hinderlich empfindest und die Du deshalb gerne überwinden möchtest.

Wenn Du keinen richtigen Anfang für die hinderlichen Glaubenssätze findest, dann kannst du einmal überlegen, welche Aussagen Du grundsätzlich generalisierst, zum Beispiel: „Ich habe NIE Glück“, „Ich muss IMMER alles alleine machen“, „ALLE sind erfolgreich, nur ich nicht“ usw. So kommst Du Deinen Glaubenssätzen allmählich auf die Spur. Du kannst Dich in den nächsten Tagen auch einmal aufmerksam selbst in Deinem Alltag beobachten und Dich in Situationen, in denen Du einen inneren Widerstand spürst, fragen: „Was denke ich gerade? Was lässt mich diesen Widerstand spüren? Was hält mich ab, dies oder jenes zu tun?“ Mit diesen Fragen kommst Du Deinen Begrenzungen Stück für Stück auf die Schliche.

Wie bereits erwähnt, gibt es neben den persönlichen Glaubenssätzen noch die anderen, die nicht weniger tückisch sind: Das sind Annahmen, die kollektiv oft sehr tief verankert sind. Die meisten von uns werden sie kennen.

Einige klassische Glaubenssätze sind: 

  • „Geld fällt nun mal nicht vom Himmel. Das muss man sich hart erarbeiten.“
  • „Das Leben ist kein Ponyhof.“
  • „Im Leben gibt es nichts geschenkt.“
  • „Eigenlob stinkt. Geld übrigens auch.“
  • „Im Leben muss man sich durchbeißen.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Sicher fallen Dir noch mehr ein. Was die meisten dieser Glaubenssätze gemeinsam haben: Alles ist sehr hart und sehr schwer. Nichts darf leicht gehen. Nichts darf Spaß machen – zumindest nichts, was mit Arbeit und Geld zu tun hat. Die Idee von: „Meine Arbeit bereitet mir Vergnügen und ich kann damit meinen Lebensunterhalt bestreiten“, scheint völlig unmöglich. Die Frage ist: Ist es wirklich unmöglich? Ich glaube nicht. Nein, eigentlich WEIß ich, dass das nicht stimmt.

 

Hinderliche Glaubenssätze auflösen – 3 Wirkungsvolle Strategien

 Was machst Du nun also mit all den hinderlichen Gedanken, die Du gesammelt hast und: wie kannst Du diese auflösen?

Wir haben drei wirkungsvolle Strategien für Dich parat:

 

1. Wahrheitsgehalt der Glaubenssätze prüfen

Nimm Dir Deine Liste noch einmal vor und frage Dich: Stimmt das wirklich (noch)? Oder habe ich nicht längst die Erfahrung gemacht, dass ich ganz anders bin? Diese Frage ist schon eine gute Überleitung zu der zweiten Empfehlung:

 

2. Gegenbeispiele und Ausnahmen sammeln

Ein sehr wirksamer Weg, alte Glaubenssätze aufzulösen, ist, Gegenbeispiele und Ausnahmen zu sammeln. Nehmen wir als Beispiel einmal den Glaubenssatz: „Im Leben gibt es nichts geschenkt.“ Das stimmt ganz einfach nicht. Ich gehe zum Beispiel mit meinen zwei Kindern jeden Dienstag zum Kinderturnen, gleich nebenan ist ein kleiner Inder, bei dem wir uns danach regelmäßig ein Bhatura holen. Und dort bekommen meine Kinder IMMER einen Lolli geschenkt. Eine Freundin von mir hat mir neulich einen Tee mitgebracht, den sie noch zu Hause hatte und von dem sie wusste, dass ich ihn gerade gut gebrauchen kann. Einfach so, geschenkt, ohne Geburtstag, Weihnachten oder Ostern. Oder nach dem Abitur, da war ich ein Jahr in Australien und hatte mir eine schlimme Brandwunde zugezogen, mitten im Gesicht. Eines nachmittags saß ich in Perth in der Fußgängerzone, im Schatten, in die Sonne konnte ich ja nicht. Ich trank einen Erdbeersmoothie, als zwei Frauen mich ansprachen und mich fragten, ob sie für mich beten dürften. Sie knieten vor mir nieder (was mitten in der Fußgängerzone offen gestanden ein bisschen unangenehm war, aber auch sehr schön) und schenkten mir ihren Segen.

Das Fazit ist also: Es gibt im Leben was geschenkt, eine ganze Menge sogar. Und diese Feststellung wirst Du mit vielen Glaubenssätzen machen.

Nimm Dir für die nächsten 3 Tage mal einen Deiner hinderlichen Glaubenssätze vor und sammel pro Tag mindestens 3 Gegenbeispiele oder Ausnahmen.

 

3. Glaubenssätze auf ihre Logik prüfen

Nehmen wir noch kurz: „Eigenlob stinkt“. Was für ein Unfug! Wie sollst Du denn selbst wirksam werden, wie willst du Andere inspirieren und Dein Potenzial in die Welt bringen, wenn Du nicht wissen darfst, was Du gut kannst und dazu auch stehst? Das macht schlichtweg keinen Sinn.

Stell also Glaubenssätze, die Dir nicht gut tun, mal auf den Prüfstand der Logik!

 

Bei Dir fängt alles an – aber bei Dir hört es noch lange nicht auf

Genau wie Du haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Deine Mitarbeiter einige blockierende Glaubenssätze verinnerlicht. Da das ein sehr persönliches Feld ist, ist es nicht immer leicht, das Thema Glaubenssätze offen anzusprechen. Du kannst diesen mentalen Blockaden aber trotzdem sehr effektiv entgegenwirken, und zwar, indem Du eine Unternehmenskultur etablierst, die diesen Glaubenssätzen von vorneherein den Garaus macht. Lebe Deine positiven Glaubenssätze und Du wirst sehen, wie schnell sie sich auf Kollegen, Kooperationspartner, Kunden oder auch Mitarbeiter übertragen: „Fehler sind uns willkommen.“ oder: „Vergnügen und Arbeit sind für uns ein und dasselbe Paar Schuhe“ oder „Kennt eure Stärken und steht dazu“. Oder was auch immer Dir besonders wichtig ist.

Stell Dir vor, welche Wirkung es hat, wenn Du mit diesem förderlichen Glauben unterwegs sind. Was wird dann möglich?

Ja, auf jeden Fall wird Entwicklung möglich, und Selbstentwicklung und -entfaltung gehören zu den wertvollsten Geschenken, die Du Dir als Unternehmer*in machen kannst.

 

Zum Schluss

Erinnerst Du Dich noch an mein Beispiel vom Anfang? Dass ich alles schaffen könnte, wenn ich nur wollte? Aber vielleicht auch radikal scheitern, wenn ich es wirklich mal darauf anlege? Die Frage ist doch: Was wäre dann? Was würde denn passieren, wenn alle unrecht hätten, und ich gar nicht so furchtbar viel Potenzial habe, wie alle denken? Die Wahrheit ist: Nichts. Es würde rein gar nichts passieren. Ich wäre immer noch ich, ich hätte immer noch alle Möglichkeiten der Welt und wäre schlichtweg um eine Erfahrung reicher. Reicher! Das ist das Schlüsselwort. Am Ende ist es nicht so sehr wichtig, was andere über Dich denken. Was wirklich wichtig ist, ist, was Du über Dich selbst denkst und glaubst. Und das entscheidest Du ganz allein. 

Deine Juliane Scheel

Juliane Scheel – Expertin für Organisationsentwicklung

Juliane Scheel

Juliane Scheel ist studierte Kommunikations­wissenschaftlerin (M.A. Interkulturelle Kommunikation) und arbeitet als aktive Texterin und Lektorin sowohl im wirtschaftlichen als auch im akademischen Bereich. Zudem gibt sie Seminare und Schreib­beratungen und ist damit zeitsprungs Fachfrau rund um die Themen Text und Kommunikation.

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