Yoga für Leib und Seele

1 Comments Juliane Scheel

Wie sinnvoll ist Personalentwicklung? Welche Spielräume gibt es in der Personalentwicklung?

Das Stichwort Yoga teilt die Menschen oft in zwei Gruppen. Die einen denken: „Oh ja, mach ich auch und tut mir gut!“, die anderen stöhnen leise, rollen ein bisschen mit den Augen und denken: „Oh nein, nicht schon wieder Yoga!“ Wir von zeitsprung gehören in jedem Fall zur ersten Gruppe.

Wenn Sie nur für eine einzige Maßnahme in Bezug auf körperliche Fitness & mentale Stärke Zeit haben, dann üben Sie Yoga, und zwar jeden Tag.

Und in diesem Artikel werde ich Ihnen verraten, warum ich so denke und wie Sie die Prinzipien des Yoga direkt in Ihren Alltag integrieren können.

 

YOGA - Die knackige Figur ist dabei der Bonus, nicht der Mittelpunkt.

Die meisten Nicht-Praktizierenden denken bei Yoga schnell an etwas esoterisch angehauchte Verrenkungen, haben vielleicht schon mal vom herabschauenden Hund, der Kobra oder dem Baum gehört. Für unseren westlich geprägten Geist klingt das auf den ersten Blick zugegeben auch wirklich etwas merkwürdig.
Wer jedoch genauer hinschaut, wird schnell feststellen, dass sehr viel mehr hinter dieser Jahrtausende alten Tradition steckt: In Wahrheit birgt Yoga eine klare Anleitung, um ein gesünderes, selbstbestimmteres, aufrichtigeres und erfolgreicheres Leben zu führen. Die knackige Figur ist dabei der Bonus, nicht der Mittelpunkt. Denn auch wenn Yoga ein ganz ausgezeichnetes Workout ist, ist es noch weit mehr als das!

 

Das Yogasutra

Als eines der ältesten Überlieferungen der Yogatradition gilt das Yogasutra von Patañjali. Wir hatten bereits in unserem Blogbeitrag „Gesundheit ist Chefsache – Chefgesundheit auch?" auf die Hindernisse hingewiesen, die uns vom gesunden Leben abhalten. Das Sanskritwort „Sutra“ (Sanskrit ist sozusagen das Latein der Inder) lässt sich wörtlich mit „Faden“ übersetzen; Patañjalis Werk ist also gewissermaßen ein Leitfaden des Yoga und legt die Quintessenz dieser alten indischen Tradition dar.

Neben den mittlerweile recht bekannten Elementen des Yoga, zu denen die Körperübungen (Asanas), spezielle Atemübungen (Pranayama) und das regelmäßige Meditieren (Dhyana) gehören, finden sich bei Patañjali auch zehn Yogagrundsätze, die selbst nach Jahrtausenden nicht an Relevanz verloren haben und – gewissenhaft geübt – zu einem erfüllterem Leben führen.

 

Die 10 Yogagrundsätze - Eine Anleitung für unseren Umgang mit Beruf und großen Lebenszielen

Diese Grundsätze zielen dabei nicht nur auf einen bestimmten Teil des Lebens ab, sondern stellen vielmehr einen größeren Kontext her und umfassen alle Bereiche unseres Seins, von unserem Umgang miteinander über unseren Beruf bis hin zu unseren großen Lebenszielen. Es genügt also lange nicht, einmal am Tag die Matte auszurollen und ein paar Atemzüge im Hund zu verharren. Yoga ist ein komplettes Lebenskonzept. Und ich kann Ihnen nur empfehlen, die folgenden Grundsätze einmal konsequent in Ihrem Leben umzusetzen! Sie werden die positiven Wirkungen ganz sicher sehr bald spüren.

Und stellen Sie sich einmal vor, wie Unternehmenskulturen und unsere Gesellschaft sich gestalten würden, würden immer mehr Menschen diesen Grundsätzen folgen.

 

Die zehn Grundsätze können dabei wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Ahimsa -> Gewaltlosigkeit
    Fügen Sie keinem anderen Lebewesen bewusst Schaden zu.
  2. Satya –> Wahrhaftigkeit
    Seien Sie grundsätzlich ehrlich sich selbst und anderen gegenüber und leben Sie immer aus Ihrer eigenen Wahrheit heraus. Mit anderen Worten: Tun Sie nur das, was Sie selbst auch für richtig halten. Bei Zweifeln und Unklarheiten schweigt ein Yogi.
  3. Asteya -> Rechtschaffenheit
    Seien Sie auch im Berufsleben stets ehrlich und auf fairen Handel bedacht. Im Zweifel geben Sie eher zu viel als zu wenig. Stehlen und Betrügen sind aus yogischer Sicht tabu.
  4. Brahmacharya -> Weisheit
    Streben Sie nicht nach Geld, sondern nach einem höheren Ziel und lernen Sie, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden.
  5. Aparigraha -> Einfachheit
    Mäßigung in äußeren Genüssen: Leben Sie äußerlich bescheiden und innerlich reich. Wahre Fülle kommt von innen und wird sich dann im Außen widerspiegeln.
  6. Isvarapranidhana -> Verehrung des höheren Ziels
    Erinnern Sie sich immer wieder an Ihr höheres Ziel. Sorgen Sie gut für dich selbst und leben Sie aus der Ruhe heraus.
  7. Shaucha -> Reinigung und Läuterung
    Die zehn Ego-Eigenschaften, die es zu vermeiden gilt, sind: Stolz, Neid, Habsucht, Genusssucht, Angst, Wut, Trauer, Unmäßigkeit, Faulheit, Unwissenheit. Frage Sie sich: Was ist heute meine Ego-Eigenschaft? Und welcher positive Gedanke hilft mir, sie zu überwinden?
  8. Tapas -> Zielstrebigkeit
    Fassen Sie klare Entschlüsse und folgen Sie ihnen. Lassen Sie Ausdauer und Beharrlichkeit im Üben Ihre Lebensbegleiter sein und Sie werden Ihr Ziel erreichen.
  9. Svadhyaya -> Selbststudium
    Nehmen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um spirituelle Texte oder andere Literatur, die Sie innerlich erbauen, zu lesen. So verlierst Sie selbst in unserer konsumorientierten Welt nicht den Fokus für das, was wirklich zählt.
  10. Santosha -> Zufriedenheit
    Nehmen Sie Ihr Leben selbstverantwortlich in die Hand und gelangen Sie so zu einer großen Zufriedenheit mit sich und Ihrem Leben. Alles, was ist, ist gut.

 

Leben Sie unperfekt

Atmen Sie einmal tief ein, wieder aus und – entspannen Sie sich! Der yogische Weg verlangt keinen Perfektionismus von Ihnen! Im Gegenteil: Es ist ein Weg der Übung. Verzagen Sie also nicht, wenn es Ihnen nicht ständig gelingt, innerhalb der zehn Grundsätze zu leben, denn darum geht es nicht. Wichtig ist allein, dass Sie sich um einen aufrichtigen, zielgerichteten und klaren Lebensstil bemühen. Und dazu bekommen Sie an jedem einzelnen Tag, in jedem einzelnen Moment eine neue Chance. Und es stimmt ja, was man sagt: Je öfter Sie üben, desto besser werden Sie werden. Da macht auch Yoga keine Ausnahme.

 

Grüßen Sie die Sonne

Kein Yoga-Text ohne ein paar Leibesübungen. Und dass die dunkle Jahreszeit sich langsam dem Ende entgegen neigt, ist ein guter Grund mehr, um regelmäßig die Sonne zu begrüßen. Im Yoga machen wir das mit dem Sonnengruß. Am besten üben Sie den Sonnengruß direkt nach dem Aufstehen, täglich und in mindestens drei Durchläufen. Schließen Sie Ihre Übung mit einer kurzen Meditation ab und Sie werden schnell feststellen, wie viel gesammelter und klarer Sie in den Tag starten. Unmittelbar vor und nach dem Üben sollten Sie keine schwere Mahlzeit zu sich nehmen; trinken Sie stattdessen lieber ein Glas Wasser.

Und so grüßen Sie die Sonne:

 

 

  1. Kommen Sie an den Anfang Ihrer Yoga-Matte. Sollten Sie noch keine haben, tut es für den Beginn auch eine andere, möglichst rutschfeste Unterlage, z.B. ein großes Handtuch auf einem Teppich. Sollten Sie regelmäßig üben wollen, empfehlen wir jedoch unbedingt den Kauf einer guten Yogamatte!

    Kommen Sie also zum Stehen. Die Füße sind hüftbreit auseinander (wenn Sie nicht genau wissen, wie breit Ihre Hüften eigentlich sind, legen Sie beide Fäuste nebeneinander zwischen Ihre Füße, dann haben Sie den korrekten Abstand). Öffnen Sie die Füße ein klein wenig nach Außen, sodass ein ganz leichtes V entsteht. Richten Sie Ihr Gewicht nun über Ihren Fersen aus, die meisten Menschen stehen zu weit nach vorn gebeugt. Richten Sie sich auf und ziehen Sie Ihre Wirbelsäule lang: Das Steißbein zieht nach unten, die Kopfkrone nach oben. Die Schultern sind entspannt, die Arme lassen Sie einfach hängen. Das ist unsere Ausgangsposition, Tadasana, die Berghaltung. Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge. Legen Sie nun die Hände vor der Brust zusammen (Samasthiti, die Gebetshaltung) und überlegen Sie sich mindestens drei Dinge, für die Sie heute dankbar sind. Drei Dinge, und sei es nur, dass Sie ein Dach über dem Kopf haben oder, dass Sie sich die Zeit für diese kleine Yogaübung nehmen können.
  1. Mit der nächsten Einatmung heben Sie die Arme über den Kopf. Lassen Sie die Ellenbogen zunächst noch gebeugt und strecken Sie sie dann nach oben aus. Blick zum Himmel.

  2. Mit der nächsten Ausatmung führen Sie die Hände zusammen und beugen Sie sich mit gerader Wirbelsäule nach unten. Lassen Sie den Oberkörper locker hängen, der Kopf ist entspannt. Uttanasana, die einfache Vorwärtsbeuge. Sicher werden Sie die Dehnung in der Rückseite der Beine spüren, das ist erwünscht. Übertreiben Sie es aber nicht! Es ist überhaupt kein Muss, dass Sie mit den Händen den Boden berühren können. Wissen Sie noch: Beim Yoga geht es nicht um Perfektion!

  3. Kommen Sie mit der nächsten Einatmung auf die Fingerspitzen, die Wirbelsäule ist lang. Mit der nächsten Ausatmung kommen Sie zurück in Uttanasana. Wiederholen Sie das dreimal.

  4. Atmen Sie ein und laufen Sie mit der nächsten Ausatmung zwei große Schritte zurück in den herabschauenden Hund, Adho Mukha Svanasana. Die Fersen führen zum Boden, die Beine sind so gestreckt wie möglich. Sollte die Dehnung in der Beinrückseite zu stark sein, bleiben die Beine gebeugt.

  5. Einatmen und bei der nächsten Ausatmung in einer Wellenbewegung nach vorne in den Liegestütz, Chaturanga Dandasana, kommen. Achten Sie hier besonders darauf, dass Beine, Becken und Rücken in einer Linie ausgerichtet sind und Sie das Becken nicht absinken lassen. Hals und Kopf sind die Verlängerung der Wirbelsäule und damit gerade, die Kopfkrone zieht nach vorne.

  6. Atmen Sie ein und mit der nächsten Ausatmung beugen Sie die Arme und senken Sie Knie, Kopf und Kinn zum Boden. Mit der nächsten Einatmung schlängeln Sie sich durch in die Kobra, Bhujangasana. Achten Sie hier besonders darauf, dass Sie die Wirbelsäule nicht stauchen, sondern alles schön gerade bleibt. Das gelingt Ihnen, indem Sie die Kopfkrone nach oben wachsen lassen und das Steißbein Richtung Füße denken. So schaffen Sie die nötige Länge.

  7. Nehmen Sie ein paar Atemzüge in der Kobra und mit der nächsten Ausatmung strecken Sie erst den Po zurück auf die Fersen und dann die Beine durch, sodass Sie wieder in Adho Muka Svanasana, dem herabschauenden Hund, sind. Machen Sie von hier zwei große Schritte nach vorne zu den Händen und rollen Sie mit einer Ausatmung Wirbel für Wirbel nach oben, bis Sie wieder in Tadasana, der Ausgangsposition stehen. Beginnen Sie den Sonnengruß von vorne und machen Sie mindestens drei Wiederholungen.

  8. Am Ende Ihres letzten Durchlaufes kommen Sie auf die Hände und Knie, schieben den Po zurück auf die Fersen und legen den Oberkörper ab. Die Arme liegen am Körper, die Stirn ruht auf der Matte. Das ist die Stellung des Kindes, Balasana. Ruhen Sie sich aus. Kommen Sie anschließend zum Sitzen, legen Sie Ihre Hände vor Ihrer Brust zusammen, senken Sie die Stirn auf die Fingerspitzen und schließen Sie Ihre Praxis mit einer kleinen Mediation ab. Heben Sie anschließend den Blick und starten Sie in Ruhe Ihren Tag. Namasté!

 

Bei Ihrem ersten Durchlauf können Sie ruhig jeweils ein paar Atemzüge lang in den einzelnen Stellungen verweilen. Bei allen weiteren Durchgängen synchronisieren Sie Ihre Atmung mit der Bewegung: Eine Ein- bzw. Ausatmung entspricht einer Bewegung. Im Yoga wird in der Regel immer durch die Nase ein- und ausgeatmet. Achten Sie aber dabei natürlich zu jeder Zeit auf Ihr Wohlbefinden: Sollten Sie das Gefühl haben, mehr Sauerstoff zu benötigen, atmen Sie selbstverständlich durch den Mund!

Der Sonnengruß ist eine klassische Übungsfolge, die auch von Anfängern sehr gut geübt werden kann. Klären Sie jedoch im Zweifel immer mit Ihrem Arzt, ob ein Ausüben der Yogahaltungen für Sie bedenkenlos möglich ist.

 

P.S. Sollten Sie ein erfahrener Yogi sein und den Sonnengruß anders praktizieren, machen Sie natürlich gern mit der Ihnen vertrauten Variante weiter. Insbesondere die Atmung setze ich an einigen Stellen etwas anders als oft üblich. Das folgt dem Ansatz der amerikanischen Yogalehrerin Sadie Nardini (http://sadienardini.com/) und ich habe selbst sehr gute Erfahrungen mit dieser Art der Atemabfolge gemacht. Probieren Sie es doch mal aus, vielleicht fühlt es sich für Sie genauso stimmig an!

Herzlichst Ihre

Juliane Scheel von zeitsprung

 

Und hier finden Sie weitere Blogartikel von uns, in denen Yoga eine Rolle spielt:

Gesundheit ist Chefsache – Chefgesundheit auch

Wer oder was ist ein Alltagsroboter? Gastbeitrag von Tina Röbe

Atemtechniken für den Alltag – endlich durchatmen

Gesundheit ist auch Unternehmenssache

Ziele umsetzbar machen

 

Quellen:
Patañjali: http://wiki.yoga-vidya.de/Patanjali
Benita Cantieni (2014): „Catpower: Das ultimative Körperbuch“. Erschienen im Südwest-Verlag.

Strichmännchen-Sonnengruß-Sequenz erstellt mithilfe von Clickflows: http://www.clickflows.com/

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Juliane Scheel

Juliane Scheel ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin (M.A. Interkulturelle Kommunikation) und arbeitet als aktive Texterin und Lektorin sowohl im wirtschaftilchen als auch im akademischen Bereich. Zudem gibt sie Seminare und Schreibberatungen und ist damit zeitsprungs Fachfrau rund um die Themen Text und Kommunikation.

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Kommentare

Nicole
Nicole

Wenn ich Yoga höre, werde ich immer gleich hellhörig. Vor allem, wenn es in einem ganz anderen Zusammenhang ist :) Beim Yoga ist ja nicht nur die gute Figur der Bonus, sondern das Üben von Gelassenheit, Entspannung, In-sich-reinspüren auf der Matte.... um es dann erfolgreich in den Alltag integrieren zu können. Ein schöner Artikel :)

Antwort von Kathrin Scheel

Liebe Nicole, Dein Kommentar zu unserem Beitrag freut uns sehr – insbesondere, dass es auch Dir wichtig ist, Yoga als ganzheitlichen Ansatz zu sehen und nicht nur auf die Körperübungen zu reduzieren.