Wie erleben KMU den Fachkräftemangel? – Eindrücke vom 3. Berliner Mittelstandskongress

Caroline Trautvetter

 

Am 11.05.16 trafen zum 3. Mal Unternehmer des Berliner Mittelstandes aus allen Branchen zusammen, um sich über Aktuelles auszutauschen. Der Tag stand unter dem Motto „Wie fit ist der Nachwuchs für Berlins Unternehmen? Sind Berlins Unternehmen fit für Fachkräfte?“

 

Fachkräftemangel in Deutschland

Schnell wurde klar, der Fachkräftemangel hat sich längst bemerkbar gemacht und das Ringen um Talente ist Realität. Auch Zeitsprung beschäftigt sich viel mit dem Thema Employer Branding im Mittelstand. Deshalb war es für uns sehr interessant, das Thema aus Perspektive der Unternehmen zu betrachten. Neben verschiedensten Ausstellern aus mittelständischen Betrieben wurde ein abwechslungsreiches Programm an Vorträgen geboten. Firmen stellten vor, wie sie dem Fachkräftemangel entgegentreten.

 

Digitalisierung ist die neue Herausforderung

Ein Punkt wurde immer wieder angesprochen: Der digitale Wandel ist wohl die größte Herausforderung in diesem Feld. Mittelständische Unternehmen müssen sich darauf einstellen und ihre Mitarbeiter dementsprechend schulen. Heutzutage benötigt fast jede Stelle digitale Fähigkeiten. Fachkräfte in dieser Branche sind sehr gefragt, umso schwieriger ist es für die mittelständischen Unternehmen, diese Mitarbeiter für sich zu gewinnen und ihren Fachkräftemangel auszugleichen.

 

Digitalisierung im Recruiting

Nicht nur die Fähigkeiten, die Mitarbeiter heutzutage immer mehr benötigen, werden durch die Digitalisierung geprägt. Auch die Personalbeschaffung ändert sich und zieht auch dadurch einen Fachkräftemangel mit sich. Ziemlich deutlich wird am Ende des Tages: Die alte Stellenanzeige, wie sie noch vor 10 Jahren war, reicht nicht mehr aus und ist nicht mehr zeitgemäß. Im Recruiting geht der Trend klar zu digitalen Stellenanzeigen auf der Homepage, in sozialen Netzwerken und Jobbörsen. Auch die eigene Arbeitgebermarke wird darüber kommuniziert.

 

Was wünscht sich die Generation Y?

Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch die Vorträge. Hier fallen immer wieder die Begriffe, die wir auch schon in früheren Blogartikeln thematisiert haben:

  • flexible Arbeitszeiten und flexibler Arbeitsort
  • Mitarbeitern Verantwortung geben
  • Gesundheitsförderung
  • flache Hierarchien

 

Car2go statt Dienstwagen. Kommunikationsflächen statt Einzelbüroplätze.

Schnell wird deutlich, mit den üblichen Anreizen kommt man auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr weit. Ein Dienstwagen lockt die Arbeitnehmer nicht mehr. Man muss sich lösen von alten Annahmen und sich der Zeit anpassen. Microsoft zum Beispiel setzt auf freie Arbeitszeiten, freie Arbeitsplatzwahl und setzt die Anzahl der Einzelbüroplätze drastisch nach unten. Vielmehr geht es darum, den Mitarbeitern Raum zu schaffen, um sich mit Kollegen zusammenzusetzen, auszutauschen und zu diskutieren. E-Mails kann man genauso gut an einem anderen Ort alleine checken. Steht aber ein gemeinsames Projekt an oder geht es um die Weiterentwicklung von Produkten, kommt es auf Kommunikation an und darauf, dass diese am Arbeitsplatz gefördert wird. Dies lässt sich schon durch räumliche Veränderungen im Unternehmen unterstützen.

 

4,5-Tage-Woche

Arbeitnehmer wünschen sich oft einen halben Tag frei, um anderen Hobbys nachzugehen. Eine 4,5-Tage-Woche ist Utopie? Schaut man genauer hin, kann man als Arbeitgeber sehr davon profitieren. Mitarbeiter sind dankbar, dass man die Chance bekommt  einem Hobby nachzugehen oder sich nach seinen Interessen weiterzubilden, zum Beispiel eine Sprache zu lernen. Dadurch sind Angestellte zufriedener, ausgeglichener und wahrscheinlich auch produktiver am Arbeitsplatz. Außerdem bekommt man andere Blickwinkel, bildet sich weiter, knüpft Kontakte, die wiederum in manchen Fällen auch für das Unternehmen nützlich sein können. Heutzutage sind viele Menschen ehrenamtlich tätig, auch an diesem Punkt können Unternehmen ihre Mitarbeiter unterstützen. Dieses Engagement sollte honoriert werden und Mitarbeiter sollten die Zeit dafür bekommen.

 

War of Talents aus Start-Up-Sicht

Im Start-Up herrschen andere Möglichkeiten, andere Strukturen, andere Wünsche. Aber der Kampf um Fachkräfte macht auch vor ihnen nicht halt. Start-Ups müssen Arbeitnehmer mit anderen Dingen locken als große Unternehmen, die zum Beispiel schon allein durch ihre bekannte Marke genügend Bewerber haben. Dabei spielt der Wertewandel der Generation Y eine große Rolle. Immer mehr junge Menschen wollen mit ihrer Tätigkeit etwas Gutes für die Gesellschaft tun. Deshalb lockt das nachhaltige und innovative Image von Start-Ups viele junge Talente an. Hier ist Vorsicht geboten! Wer mit Nachhaltigkeit wirbt, muss diese auch im Unternehmensalltag leben. Neben dem Produkt an sich, sollten auch die Arbeitsprozesse bzw. das Arbeitsumfeld nachhaltig sein (z.B. keine Plastikbecher, Ökopapier…). Auch die lockere kollegiale Stimmung am Arbeitsplatz findet man in vielen Start-Ups. Davon sind junge Arbeitnehmer begeistert.

Es passiert schon sehr viel und die Punkte, die man als attraktiver Arbeitgeber beachten sollte, sind im Großen und Ganzen klar. Für die Umsetzung muss in vielen Bereichen noch einiges getan werden. Eins ist klar: Um das Thema Employer Branding kommt man in Zukunft nicht mehr herum.

 

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Caroline Trautvetter

Psychologin Caroline Trautvetter

Als Psychologiestudentin der FU Berlin und Mitglied im Team von zeitsprung beschäftigt sich Caroline Trautvetter mit der Verbindung von moderner Forschung und praktischem Business-Alltag.

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