Wie du mir so ich dir? Konflikte frühzeitig erkennen und lösen

Führung & Unternehmenskultur Kathrin Scheel

Unser nächster zeitsprung-Workshop am 28.10.2015 „Wie du mir so ich dir? Konflikte frühzeitig erkennen und lösen“ widmet sich dem Konfliktthema.

Welche Rolle spielen Konflikte in unserem Arbeitsalltag und wie können wir sie definieren? Darum geht es in unserem heutigen Blog-Beitrag.

Von Konflikten verschont bleibt niemand – man kann ihnen eine zeitlang aus dem Weg gehen – das Ergebnis ist dann eine friedhöfliche Pseudo-Harmonie. Besser ist es, den Versuch einer Lösung zu wagen – ein nicht immer leichtes Unterfangen, das am Ende aber Klarheit schafft und Entwicklung ermöglicht. Diesem Ansatz möchten wir folgen.

Heute wollen wir uns deshalb als erstes mit der Frage befassen, was eigentlich zu einem Konflikt gehört.

Wir sehen hier, dem Ansatz des Konfliktforschers Friedrich Glasl folgend, 4 Bedingungen, die gegeben sein müssen:

  • Polarität – Menschen oder Gruppen von Menschen haben unterschiedliche Ansichten zu einem Thema. Dies allein macht allerdings noch keinen Konflikt aus. Um von einem Konflikt sprechen zu können, muss die Unterschiedlichkeit der Ansichten eine
  • Belastung zumindest für eine der involvierten Parteien darstellen.
  • So entsteht eine Spannung zwischen den agierenden Personen oder Gruppen – etwas schiebt sich zwischen sie, der Blick ist nicht mehr frei.
  • In der Folge kommt es zu einer Begrenzung der Wahrnehmung und der Handlungen. [1]

Wie zeigt sich die begrenzte Wahrnehmung?

Sicher sind auch Ihnen die nachfolgenden Aspekte nicht unbekannt:

Unsere Aufmerksamkeit ist eingeschränkt. Bedrohliches wird überdimensional wahrgenommen, Positives unbewusst übersehen oder überhört.
Die eigene Sicht wird verabsolutiert nach dem Motto: „Was ich sehe, ist richtig. Ich habe Recht. So ist das doch!“
Sachverhalte werden generalisiert, Komplexität reduziert, Zusammenhänge simplifiziert: „Es dreht sich doch alles nur um eines, nämlich...“
Die Zeitperspektive verkürzt sich: Nur nahe Zukunft wird scharf gesehen, mittel- und langfristige Dinge verschwimmen im Nebel. [2]

Und: es kommen nun immer mehr Streitthemen hinzu. Glasl spricht hier von einer regelrechten Streitpunktlawine, die beide Parteien aggressiver machen. Das bringt die Parteien schon auf Stufe 2 der insgesamt 9 Eskalationsstufen nach Glasl, denen wir uns in den kommenden Wochen noch zuwenden werden.

Wenn wir in unserem Workshop von der frühzeitigen Konfliktlösung sprechen, heißt das, bereits JETZT einzugreifen.

Was kann hierfür hilfreich sein?

Für uns gelten hier 3 Grundhaltungen, die zu einer Deeskalation führen können:

  1. Verstehen geht vor verstanden werden.
    Es gibt keine Wahrheit an sich, sondern Wirklichkeitskonstruktion. Meine Meinung bilde ich auf der Grundlage meines Wissens, all meiner Lebenserfahrungen und meiner Erwartungen. Diese sind stets individuell. Wenn ich mich auf die Reise begeben, die entsprechende Sicht meines Gegenübers zu erkunden statt zu verurteilen, bin ich oft schon viele Schritte weiter. Verstehen heißt hier nicht, diese auch anzunehmen. Worum es hier geht, ist die Fähigkeit zur Assertion: die Akzeptanz, dass es andere Sichtweisen gibt und dennoch die eigene Meinung klar zu vertreten.
  2. Nur ICH kann etwas ändern.
    In der Kommunikation mit anderen Menschen kann nur ich selber etwas ändern. Das ist oft eine große Herausforderung. Der Gedanke, der Andere müsste sich doch nur wie von mir gewünscht verhalten, ist menschlich nur allzu verständlich. Das Problem ist, dass der Andere dies nicht tut. Ich muss mich also selbst auf den Weg machen.
  3. Wenn etwas nicht funktioniert, probier etwas Anderes.
    Häufig versuchen wir, einem Konflikt immer wieder auf dieselbe Art und Weise – oft noch mit entsprechender Verschärfung – beizukommen. Dann wundern wir uns, dass auch unser Gegenüber stets nach demselben Muster reagiert. Muster, die auf beiden Seiten zur Eskalation und den vom Kommunikationsexperten Schulz von Thun beschriebenen „Teufelskreisen“ führen. Hier ist es angesagt, etwas Anderes zu machen und so unserem Gegenüber überhaupt erst die Möglichkeit zu geben, sich auch anders zu verhalten.

Wir wünschen wie immer viel Freude beim Testen unserer Empfehlungen und stehen für Fragen oder zum Meinungsaustausch sehr gern zur Verfügung.

 


[1] Martin, Oliver, Andersch, Julia, nach Trigon, Kurs Organisationsentwicklung, Abano, Juli 2015

[2] Deformationen seelischer Funktionen in sozialen Konflikten, Trigon Entwicklungsberatung 2015

 

Bildnachweis Titelfoto: michaeljung@shutterstock.com

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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