Wissensaustausch als Weiterbildung - Wie Mitarbeiter voneinander lernen!

Caroline Trautvetter

 

Weiterbildung am Arbeitsplatz ist für Arbeitnehmer ein wichtiger Bindungsfaktor. Wer attraktiver Arbeitgeber sein will, sollte sich mit diesem Thema auseinandersetzen - das ist kein Geheimnis mehr.

Weiterbildung ganz anders: Nutzen Sie vorhandenes Wissen!

Oft gehen Unternehmen den Weg über klassische Seminare oder Schulungen, in denen der Bezug zur Praxis und zum Unternehmen häufig fehlt. Wieso nicht vorerst schon vorhandenes Wissen nutzen? Jeder Mitarbeiter verfügt über spezielle Fähigkeiten, Kompetenzen und Faktenwissen, was er mit in das Unternehmen bringt. Aber was bringt all das, wenn niemand danach fragt?

 

Wissenschaftlich ist bewiesen, dass mehr Leute zusammen bessere Entscheidungen treffen und über mehr Wissen verfügen. Nutzen Sie dieses Prinzip auch im Betrieb und schicken Sie Ihre Mitarbeiter in den Wissensaustausch. Das hat einige Vorteile:

  • Wertschätzung
  • Bessere Einarbeitung
  • Kosteneinsparung
  • Wissen im Betrieb halten
  • Abläufe verbessern

 

Unternehmensbeispiel – Peer-Tutoren

Die Klinik Ludwigsburg hat das mit ihrem Peer-Tutoren Programm bereits umgesetzt. Dort werden Pflegekräfte als Tutoren für nachhaltige Gesundheit ausgebildet. Sie lernen, wie sie ihre Kollegen ansprechen und beim Lernprozess unterstützen können. Im Klinikalltag geben sie Kollegen Hilfestellungen und Anweisungen darüber, wie Bewegungsabläufe gesünder gestaltet werden können.¹

 

Die Basis - Kompetenzen ermitteln: Wer kann was?

Um den Wissensaustausch zu managen, müssen Sie über die Kompetenzen Bescheid wissen. Erstellen Sie ein Profil für jeden Mitarbeiter. Erfragen Sie dazu in einem Gespräch folgende Dinge:

  • Bildungsweg
  • bereits absolvierte Weiterbildungen/Schulungen
  • Projektteilnahmen
  • außerberufliche Kompetenzen & Fähigkeiten
  • persönliche Interessen
  • Wünsche für zukünftige Weiterbildungen

Diese Übersicht hilft dabei, Kompetenzen schnell zu erkennen und weitere Weiterbildungsmaßnahmen zu planen. Dabei sollte auf ständige Aktualisierung geachtet werden. Außerdem ist es ratsam, auch eine Fremdbeurteilung heranzuziehen. Befragen Sie andere Mitarbeiter zu den Stärken ihrer Kollegen.

 

Wissensaustausch in der Praxis

Wissen kann untereinander persönlich oder über bestimmte Datenbanken oder Texte ausgetauscht werden. Wir wollen zu beidem einige Möglichkeiten mit ihren Vorteilen vorstellen.¹

 

1. Wissensaustausch über Datenbanken

„Gelbe Seiten“

Legen Sie ein Verzeichnis an, in dem jeder Mitarbeiter mit seinem Zuständigkeitsbereich vermerkt ist. Versuchen Sie, dort so genau wie möglich zu beschreiben, worauf diese Person spezialisiert ist, was sie für Interessen hat und wo ihre Stärken liegen. Denken Sie dabei auch an Dinge wie bestimmte Berufserfahrungen, Projektteilnahmen, Weiterbildungen oder Sprach- und Computerkenntnisse. So weiß das ganze Team, wann es wen um Hilfe bitten kann. Gerade für neue Mitarbeiter kann ein solches Verzeichnis eine große Hilfe sein. Achten Sie darauf, dass die Informationen in Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Mitarbeiter regelmäßig aktualisiert werden.

 

FAQ-Sammlungen & betriebsinternes Wiki

Eine Sammlung häufiger Fragen zu alltäglichen Abläufen, Urlaub, Betriebsfeiern etc. kann Stück für Stück ohne großen Aufwand erstellt werden. Man erspart sich so viel Zeit, die sonst für immer die gleichen Fragen in Anspruch genommen wird. Ein betriebsinternes Wiki hat den gleichen Effekt und kann fachliche Inhalte für Mitarbeiter, die entweder neu oder in einem anderen Bereich tätig sind, erklären. So halten Sie ein gewisses fachübergreifendes Wissen fest und der Austausch untereinander wird erleichtert.

 

2. Persönlicher Wissensaustausch

Lerntandem

Diese Form ist besonders geeignet, wenn eine Stelle neu besetzt werden soll. Zusammen erledigen ein erfahrener und ein neuer Mitarbeiter die gleichen Aufgaben. So kann sichergestellt werden, dass die Abläufe bei der Übergabe weiterhin funktionieren und Stück für Stück autonom bearbeitet werden können.

 

Mentoring

Mentoring funktioniert nach ähnlichem Prinzip, nur geht es hier nicht um eine spezielle Aufgabe, sondern um das Einarbeiten im Betrieb generell. Eine erfahrene Fachkraft fungiert dabei als Mentor und ein neues Mitglied als Mentee. Der Mentor führt in den Unternehmensalltag ein, erklärt Netzwerke, Regeln und beantwortet Fragen rund um den Arbeitsplatz. Dadurch fühlt sich der Neueingestellte direkt integriert und wird motiviert, nachzufragen. Andersherum erfährt der Mentor dadurch Wertschätzung für seinen langjährigen Einsatz im Unternehmen.

 

Lessons Learned

Aus Erfahrungen lernen! Jedes schief gelaufene Projekt, Firmenevent oder jede Umstrukturierung bringt trotzdem einen Gewinn für das Unternehmen – wenn die Situation genutzt wird. Oft werden die gleichen Fehler mehrmals begangen, weil die Kommunikation untereinander nicht funktioniert. Wirken Sie dem entgegen, indem Sie nach jedem Projekt eine Gesprächsrunde organisieren. Dort werden alle Schwierigkeiten, Besonderheiten und Dinge, die besonders gut oder schlecht gelaufen sind, zusammengetragen. Halten Sie diese auch unbedingt schriftlich fest und suchen Sie nach Verbesserungsmöglichkeiten. Speichern Sie dieses Wissen und stellen Sie es allen Mitarbeitern zum Beispiel über ein Intranet zur Verfügung, sodass vor jedem neuen Projekt auf dieses Wissen zugegriffen werden kann.

 

Schulungen von Kollegen für Kollegen

Es ist nicht immer notwendig, externe Experten einzuladen, um ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Oft haben Sie im Betrieb Experten für bestimmte Themen. Lassen Sie Mitarbeiter selbst Schulungen machen. Das bietet sich zum Beispiel im IT-Bereich an. So werden Mitarbeiter wertgeschätzt, die Themen der Weiterbildung besser auf Ihr Unternehmen abgestimmt und zusätzlich sparen Sie eine Menge Kosten.

 

Finden Sie heraus, welche der Möglichkeiten, den Wissensaustausch in Ihrem Unternehmen zu fördern, passt!
Machen Sie den entscheidenden Sprung!

Herzliche Grüße
Ihre Caroline Trautvetter

 

Weiterer Blogartikel zum Thema Weiterbildung:

Welcher Faktor steht beim Ranking der attraktiven Eigenschaften ganz vorn?
4 Tipps: Weiterbildung für Mitarbeiter planen und erfolgreich durchführen

 

Quelle: ¹Bundesministerium für Bildung und Forschung (2013). Berufliche Weiterbildung im Betrieb. Info- und Toolbox für Personalverantwortliche, Betriebs- und Personalräte. Neue Energie für Teams und Unternehmen.
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Caroline Trautvetter

Psychologin Caroline Trautvetter

Als Psychologiestudentin der FU Berlin und Mitglied im Team von zeitsprung beschäftigt sich Caroline Trautvetter mit der Verbindung von moderner Forschung und praktischem Business-Alltag.

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