Shareconomy (Teil 5): Soziale Projekte – was mobilisiert die Menschen?

Strategie & Innovation Dominic Böhmer

In unserer Reihe Shareconomy haben wir schon über viele Aspekte des Teilens im Internet berichtet – das Teilen von Gütern, das Teilen von Dienstleistungen. Auch speziell die Auswirkungen auf Banken und Versicherungen haben wir beleuchtet. Heute steht für uns die Frage im Mittelpunkt: Was passiert im sozialen Bereich? Was bewegt die Crowd hinsichtlich sozialer Projekte? Oder besser: Wie bewegt die Crowd soziale Projekte?

In vielen Bereichen ist „die Crowd“ bereits aktiv: gegenseitiges Verleihen von Werkzeug, Fotoapparaten und sonstigen Gebrauchsgegenständen, Bereinigung von Unternehmensdatenbeständen oder den Austausch von Produkt- oder Geldanlageempfehlungen über die Crowd. Ihre Stärke – das Bündeln von Wissen und Ressourcen vieler – kann die Crowd gerade auch im sozialen Bereich ausspielen. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie lassen sich gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen? Hierzu einige Beispiele:

Betterplace.org: Die Geschichte von betterplace.org beginnt 2006 mit Joana und Stephan Breidenbach, denen auf einer Weltreise klar geworden ist, dass auch kleine, lokale Hilfsprojekte ohne großes Marketingbudget mehr Aufmerksamkeit bekommen müssen. Doch sie waren nicht die Einzigen mit der Idee einer kostenlosen Online-Spendenplattform. Der passionierte Rugby-Spieler verspürte nach einem Auslandsstudium den Wunsch, sein Studium der Wirtschaftsinformatik für etwas Sinnvolleres zu nutzen, als nur für den Aufstieg in Großkonzernen. Zusammen mit der Anthropologin Line Hadsbjerg, die in der Entwicklungshilfe gearbeitet hatte, versuchte er die Frage zu beantworten: Wie kann man das Internet nutzen, um das Leben bedürftiger Menschen weltweit zu verbessern? Till dachte an eine Plattform, die sich als “Sozialunternehmen” über Firmenkooperationen finanziert, also nichts von den Spenden an die Hilfsprojekte abzweigt. Daraus entstand schließlich betterplace.org. Hier können sich lokale Hilfsprojekte aus aller Welt vorstellen und um finanzielle Unterstützung oder ehrenamtliche Mitarbeit von Privatpersonen werben. Unternehmen bietet betterplace.org die Möglichkeit, ihr Engagement weithin sichtbar zu machen und mit ihren Mitarbeitern und ihren Kunden gemeinsam mehr zu bewegen.

Glovico.org: Glovico.org ist eine Online-Sprachschule, in der man Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Chinesisch, Arabisch und Englisch sowie viele weitere Sprachen (die Liste aller Sprachen findest du am Ende der Seite) von Muttersprachlern aus Lateinamerika, Afrika und Asien via Skype lernen und gleichzeitig was Gutes tun kann. Ein bequemer, günstiger Online-Sprachkurs für jedermann – und zusätzliches Einkommen für Menschen, die es brauchen können: das ist Fairtrade 2.0!

Proboneo.de: Die Plattform bringt engagierte Fach- und Führungskräfte mit gemeinnützigen Organisationen zusammen, damit gute Ideen professionelle Unterstützung finden und Experten etwas für sich selbst und für die Gesellschaft  tun können. Gemeinnützige Organisationen können auf Proboneo für ihre Projekte werben, Fach- und Führungskräfte ihre ehrenamtliche Unterstützung in Pro-Bono-Projekten anbieten.

 

Wie effektiv die Crowd in der Entwicklung neuer Ideen sein kann, zeigt das Beispiel von Crisismappers. Sehr beeindruckend, wie ich finde. Und vor dem Hintergrund des Erdbebens in Nepal topaktuell.

Crisismappers.net: Als 2012 Haiti von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde, fanden sich innerhalb kürzester Zeit im verschneiten Boston eine Gruppe Freiwilliger zusammen um die schlechte Informationslage zu verbessern. Sie begannen aus Social Media-Posts und Tweets von Betroffenen relevante Informationen zu filtern (Wo wird Hilfe benötigt? Wo gibt es Verletzte? Wo sind Krankenhäuser intakt/stehen Nahrungsmittel oder Medizin zur Verfügung?) und diese auf einer digitalen Landkarte zu taggen.
In Zusammenarbeit mit einem lokalen Mobilfunkanbieter wurde kurz darauf sogar ein Notfall-SMS-Service eingerichtet, an den Hilfesuchende ihre Nachrichten direkt senden konnten. Weil die Flut an SMS nicht zu bewältigen war, wurden hunderte weitere Freiwilliger weltweit zusammen getrommelt, um die Nachrichten zu übersetzen und in die Karte einzupflegen. So konnten Helfer vor Ort immer genau nachvollziehen, wo ihr Einsatz am dringendsten benötigt wurde (Die ganze Story kann man hier nochmal nachlesen). Inzwischen hat sich eine feste Community – Standby Task Force – etabliert, die sich nach Katastrophen innerhalb kürzester Zeit organisieren um gemeinsam die Flut an Informationsmaterial zu bewältigen und darzustellen.

 

Ich finde den Ansatz gut, den beispielsweise betterplace fährt: Soziale Projekte voranbringen und sich über Unternehmen finanzieren, die durch Investments in soziale Projekte ihr Image aufpolieren. Wenn das Thema „Corporate Social Responsibility“ für Unternehmen so wichtig geworden ist, dass sie in dieses Thema investieren, dann ist diese Entwicklung in unserer Gesellschaft zunächst einmal zu begrüßen - wohlwissend, dass wir bei dem Thema sicherlich noch viel Luft nach oben haben.

 

Weitere Artikel zum Thema Shareconomy

Demnächst in diesem Blog:

  • Teil 6: Teilen – ein Prinzip auch für die Zusammenarbeit in Unternehmen?
  • Teil 7: Führungskräfte in der Shareconomy – wie geht das?

 

 

Quellen und weiterführende Links

 

 

Bildnachweis Titelfoto: Arthimedes/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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