Shareconomy (Teil 4) - Teilen von Dienstleistungen – Wettbewerbsvorteile 2.0 durch Crowdsourcing

Innovation 1 Comments Dominic Böhmer

Das Teilen von digitalen Inhalten und von realen Gütern kennt man inzwischen als Internet-Nutzer. Aber was verbirgt sich hinter dem Teilen von Dienstleistungen? Und welchen Chancen bietet es für etablierte Unternehmen?

Crowdsourcing – Outsourcing an die Crowd

Crowdsourcing ist ein umfangreiches Feld. Mich interessiert heute aber nur ein ganz bestimmter Teil der Crowdsourcing-Branche. Jener Teil nämlich, bei dem etablierte Unternehmen interne Aufgaben outsourcen an die Crowd. So wie AOL vor einigen Jahren: das gigantische Video-Archiv sollte in einer Inventur erfasst und kategorisiert werden. Die Aktion war zeitkritisch und der Einsatz von Software insofern keine Alternative. Eine überschaubare Anzahl an Freelancern wäre Jahre mit der Inventur beschäftigt gewesen. Und so zerlegte AOL sein Video-Archiv in viele kleine Puzzle-Teile. Diese verteilte es über eine Plattform an geeignete Internet-User zur Inventarisierung.

Startups mit innovativen Crowdsourcing-Geschäftsmodellen

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Startups, die sich dieses Prinzip zunutze machen. Sie bieten anderen Unternehmen Dienstleistungen an und nutzen zur Erbringung dieser Dienstleistung die Crowd. Beispiele:

Testbirds: Das Münchner Startup bietet Unternehmen an, über ihre Plattform Apps, Websites, Spiele und Softwareprogramme auf Fehler und Bedienerfreundlichkeit testen zu lassen – mithilfe der Crowd. Testbirds nennt das Ganze „Crowdtesting“.

Crowdflower: Crowdflower unterstützt Unternehmen dabei, die Qualität interner Datenbestände zu verbessern. So bietet Crowdflower an, mit Hilfe der Crowd neue Daten zu sammeln, bestehende Datenbestände zu sichten und zu kategorisieren sowie fehlerhafte Datenbestände zu bereinigen.

Taskspotting: Mit dieser App ist Marktforschung für Unternehmen praktisch realtime möglich. Beispiel: Ein namhafter Getränkehersteller führt eine großangelegte Werbeaktion durch. Mit einer bundesweit agierenden Supermarktkette vereinbart er, dass die Getränke zwei Wochen lang prominent am Eingang jedes Supermarktes beworben werden. Über die App Taskspotting bittet der Getränkehersteller Taskspotting-Anwender in ganz Deutschland, in die Supermärkte zu gehen und zu berichten, ob die Werbung im Supermarkt auch absprachegemäß erfolgt. Die Taskspotting-Anwender erhalten für jede erfasste Information ein Entgelt.

Teilen von Dienstleistungen – Potenziale für etablierte Unternehmen

– so beschreibt es die freiberufliche Journalistin Christine Weißenborn in einem ihrer Artikel. Und genau hier ist der Anknüpfungspunkt für etablierte Unternehmen:

  • Welche Arbeitsschritte in der eigenen Wertschöpfungskette ließen sich grundsätzlich an eine große Zahl qualifizierter Freelancer outsourcen?
  • Welche Dienstleistungen könnte das eigene Unternehmen am Markt anbieten und zu deren Erbringung auf ein bestehendes, eigenes Netzwerk an qualifizierten Freelancern oder auch (Klein-)Unternehmen zurückgreifen?

Ich glaube, für etablierte Unternehmen hat Crowdsourcing ein aktuell noch unermessliches Potenzial, weil es die Flexibilität einer Organisation drastisch erhöht. Unternehmen setzen immer mehr Projekte auf, so dass flexible Projektorganisationen zunehmen. Auch in der Linie wäre mehr Flexibilität wünschenswert: Wie hilfreich wäre es beispielsweise für Banken oder Mobilfunkunternehmen, wenn sie in Spitzenzeiten Teile der Vertragsbearbeitung über eine Web-Plattform an qualifizierte Freelancer vergeben könnten – und dies ohne umfangreiches Outsourcing-Projekt?

Welche Chancen sehen Sie darin, dass Unternehmen externes Crowdsourcing aktiv in die eigenen Prozesse integrieren?

 

 

Weitere Artikel zum Thema Shareconomy

Demnächst in diesem Blog:

  • Teil 5: Soziale Projekte – was mobilisiert die Menschen?
  • Teil 6: Teilen – ein Prinzip auch für die Zusammenarbeit in Unternehmen?
  • Teil 7: Führungskräfte in der Shareconomy – wie geht das?

Quellen und weiterführende Hinweise

 

Bildnachweis Titelfoto: Arthimedes/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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Kommentare

Ira
Ira

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