Shareconomy (Teil 2) – Neue Wege für Banken und Versicherungen

Strategie & Innovation Dominic Böhmer

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Shareconomy ist in aller Munde – dank AirBnB, Youtube, Drivenow und vielen weiteren Beispielen, von denen wir einige schon vorgestellt haben. Was aber hat Shareconomy mit Banking zu tun? Oder geht die Shareconomy spurlos an Finanzdienstleistern vorbei? Wohl kaum, wie die Praxis zeigt. Sehen Sie selbst.

Banken – digitale Transformation ist in vollem Gange

Dass der Sektor Finanzdienstleistungen Chancen bietet für die digitale Transformation, ist für uns alle leicht nachvollziehbar. Letztendlich haben viele Bankdienstleistungen digitalen Charakter. Das naheliegendste Beispiel ist der Zahlungsverkehr. Das Bezahlen ohne Bargeld nimmt ständig zu. Nicht-Banken stoßen immer weiter in den Markt vor. Paypal besitzt sogar eine EU-Banklizenz. Immerhin erfolgt der Geldfluss bei Paypal und ähnlichen Anbietern im Hintergrund weiter über die etablierten Banken. Apple beispielsweise stößt da in neue Regionen vor: Im iPhone 6 als auch in der Apple Watch sind bereits mobile Bezahl-Apps installiert, mit denen diese zur Kreditkarte werden und die das Bezahlen per Near Field Communication (NFC)-Technologie ermöglichen. Das heißt, der Kunde muss sein Gerät im Geschäft zum Bezahlen kurz an ein elektronisches Lesegerät halten – so wie bei den GiroGo-Karten der Sparkassen und einiger Volksbanken. Apple hat mit dieser Technologie die Möglichkeit, zu einer eigenen Bank zu werden und große Zahlungsströme ganz von den etablierten Banken wegzuziehen.

Shareconomy bei Banken und Versicherungen

Auch die Shareconomy hat Einzug gehalten in der Banken- und Versicherungsbranche. Vor allem innovative Startups sind es, die mit neuen Ideen die etablierten Anbieter angreifen. Einige von diesen stellen wir Ihnen hier vor:

Lending Club: Nach eigenen Angaben Amerikas größter Marktplatz für Online-Kredite, auf dem Geldanleger ihr Geld anderen Privatleuten oder Unternehmen direkt als Kredit zur Verfügung stellen können – zu günstigeren Konditionen als bei klassischen Banken.

Seedmatch: Plattform mit Sitz in Dresden, auf der sich spannende Start-ups in frühen Gründungsphasen um Risikokapital von privaten oder gewerblichen Investoren bewerben können. Investoren können sich bereits ab 250 EUR an jungen Unternehmen beteiligen. Der gesamte Prozess ist so standardisiert, dass Beteiligungen an Start-Ups für Jedermann möglich sind.

Moneymeets: Kölner Startup, das es Börsenanlegern ermöglicht, den Investment- und Handelsstrategien anderer Anleger auf der Plattform zu folgen. Social Trading ist das Stichwort. Und das zu deutlich günstigeren Konditionen als bei etablierten Finanzdienstleistern. Wer seine Handelsstrategien und sein Depot in der Community offenlegt und Follower findet, kann weitere Konditionsvorteile realisieren.

Friendsurance: Bei Friendsurance schließen sich Versicherte zu kleinen Gruppen zusammen. Von den gezahlten Versicherungsbeiträgen fließt ein Teil in einen Topf, der Rest als Prämie an ein Versicherungsunternehmen. Kleine Schäden werden aus dem Topf gezahlt. Bei größeren Schäden springt das Versicherungsunternehmen ein. Wenn kein Schaden passiert, bekommt jeder Versicherte einen Teil aus dem Topf als Bonus wieder. Dieses Geld behalten Versicherungsunternehmen normalerweise.

Innovation für etablierte Finanzdienstleister

Die oben beschriebenen Start-Ups bilden Communities, deren Mitglieder Wissen und finanzielle Ressourcen miteinander teilen, um wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Viele Banken und Versicherungen weisen auf die Notwendigkeit individueller Beratung hin, die mit den meisten Finanzgeschäften verbunden ist. Im traditionellen Bank- und Versicherungsgeschäft hängt der Kunde hierbei in der Regel von der Kompetenz einer einzigen Person ab, nämlich seines Bank- oder Versicherungsbetreuers. Vielleicht sollte man die Frage stellen: Wie können Banken und Versicherungen das Wissen von Communities nutzen, um ihre Kunden noch besser, transparenter und objektiver zu beraten. Immerhin verfügen Banken und Versicherungen über zwei Arten von Communities, auf die sie zurückgreifen können: die Mitarbeiter-Community und die Kunden-Community.

Was meinen Sie? Wie könnte Beratung zukünftig aussehen? Und wie lässt sich daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickeln?

Weitere Artikel zum Thema Shareconomy:

Demnächst in diesem Blog:

  • Teil 3: Teilen von Gütern – Teilen ist das neue Besitzen!
  • Teil 4: Teilen von Dienstleistungen – Wettbewerbsvorteile 2.0 durch Crowdsourcing
  • Teil 5: Soziale Projekte – was mobilisiert die Menschen?
  • Teil 6: Teilen – ein Prinzip auch für die Zusammenarbeit in Unternehmen?
  • Teil 7: Führungskräfte in der Shareconomy – wie geht das?

Quellen und weiterführende Hinweise:

 
Bildnachweis Titelfoto: Oleksiy Mark/Shutterstock.com
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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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