Wie funktioniert Mitarbeitermotivation 2.0 – und was können Unternehmen von Social Networks lernen?

Führung & Unternehmenskultur Dominic Böhmer

In einem Blog-Beitrag auf netmedia.de geht Bianca Gade dieser Frage nach: „Freiwillige Autoren von Wikipedia zwingen den Marktführer – Encyclopaedia Britannica –  zum Aufgeben. Freiwillige Programmierer stecken Tage, Wochen, Jahre Arbeit in ein Open Source-System – sehr erfolgreich und ohne direkten finanziellen Ausgleich. Einsatzkräfte retten Leben, pflegen alte Menschen oder helfen Kindern in Not – unentgeltlich. Nur: Wieso?

Auf der anderen Seite sind gerade mal 14 % Mitarbeiter auf ihrer Arbeit motiviert (Gallup Engagement Index), trotz Gehalt, Prämien, Sondervergütungen, also all jenen Dingen, die für Wikiautoren, Blogger, Twitterer, OpenSource-Programmierer usw. nicht gelten. Stellt sich also die Frage: Was motiviert Mitarbeiter wirklich?

Die Erfahrungen mit Crowdsourcing-Projekten im Internet zeigen, wie sonderbar und wunderbar menschlich das Thema Motivation ist. Doch herrscht in Unternehmen oft die Ansicht, Motivation kontrollierbar zu machen – mit ungewollten Folgen. Das Resultat: Demotivation und eine Kultur des Misstrauens.“

Mitarbeitermotivation vs. Mitarbeitermotivierung

Der Managementexperte und Autor Reinhard K. Sprenger unterscheidet die beiden Begriffe „Motivation“ und „Motivierung“. Unter Motivation versteht er die freiwillige, innere Bereitschaft des Mitarbeiters zu hoher Leistung, weil sich der Mitarbeiter intrinsisch für seine Arbeit interessiert. Motivierung dagegen bedeutet für ihn, den Mitarbeiter von außen zu hoher Leistung zu bewegen, beispielsweise mit Zwang, Druck, Angst, Belohnung oder einer beliebigen Mischung aus diesen Instrumenten. Seine Botschaft: In vielen Unternehmen herrscht der irrige Glaube, dass aus Motivierung mit der berühmten Karotte vor Augen auch Motivation folge, dass Motivation sich also kontrollieren lasse. Doch Motivation hat etwas mit innerer Bereitschaft und Überzeugung zu tun. Und die lässt sich nicht einfach herbeizaubern. Ketzerisch antwortet er auf die Frage: "Wie motiviere ich Mitarbeiter am besten?": "Vermeiden Sie einfach, ihre Mitarbeiter zu demotivieren! Das ist schon mehr als genug!"

Mitarbeitermotivation: Was können wir beispielsweise von Wikipedia lernen?

Jochen Mai hat auf karrierebibel.de zu dieser Frage vier konkrete Antworten ausgemacht:

"Bei Wikipedia …

            … werden Freiräume zur Kontrolle genutzt. In Wikipedia gibt es eine breite Basis an Autoren, die nur von einer Verhältnismäßig geringen Anzahl an Moderatoren kontrolliert werden. Der Grund: Die Mitglieder schauen sich gegenseitig auf die Finger. Wenn Sie bei der Mitarbeiterführung Ihren Angestellten viele Freiräume einräumen, kann das enorm motivierend wirken - und zugleich Kontrollzwänge (und damit Kosten) verringern.

            … wählen Mitarbeiter ihren Chef selbst. Ein interessantes Konzept bei Wikipedia ist, dass Moderatoren (Personen mit Machtbefugnissen) nicht ernannt, sondern von der Gemeinschaft gewählt werden. Das ist sehr demokratisch. Ganz so weit werden Sie in Ihrem geschäftlichen Alltag nicht immer gehen können. Was Sie aber tun können, ist, eine 360° Grad Beurteilung von Mitarbeitern einzuführen. Dabei fließt die Bewertung von Vorgesetzten, von Kollegen und von Unterstellten in die Beurteilung mit ein. Das minimiert zumindest etwas Vetternwirtschaft und gibt ein klareres Bild auf die wirklich guten Chefs. Wenn eine solche 360 Grad Beurteilung Konsequenzen hat, dann motiviert das auch die Mitarbeiter. Denn sie können über ihr Feedback etwas bewegen und mitgestalten.

            … sind Visionen ein Antreiber. Wikipedia begeistert seine Mitglieder durch die Idee, das gesamte Wissen der Welt lexikalisch verfügbar zu machen. Ein gewaltiges Ziel, was die Menschen nicht davor zurückschrecken lässt, sich in Wikipedia zu beteiligen. Besonders Spaß macht es den Nutzern, dass sie Wissen weitergeben und sich als Experte profilieren können. Auf Sie und Ihr Unternehmen bezogen bedeutet das, dass Sie Ihren Mitarbeitern eine klare Richtung vorgeben müssen, ein Ziel, das begeistert und das alle überzeugt. Zugleich müssen Sie erkennen, wo die Stärken Ihrer Mitarbeiter liegen und ihnen die Aufgaben zuteilen, die sie mit ihren Fähigkeiten bestens erledigen können. Auch das steigert zusätzlich den Spaß am Job. Und Spaß an der Arbeit macht Lust auf noch größere Ziele.

            … hat wiederholtes Fehlverhalten Konsequenzen. Neben allen Freiräumen besitzt Wikipedia auch ein Sanktionierungssystem. So wird das Konto eines Autors gesperrt, wenn er mehrfach andere Mitglieder verunglimpft oder Vandalismus betreibt. Die Botschaft ist hierbei klar: dezentrale Strukturen brauchen Regeln, andernfalls herrscht Anarchie. Für die Mitarbeiterführung heißt das: Übertragen Sie Ihren Mitarbeitern mehr Verantwortung, machen Sie aber auch klar, dass damit auch jeder die Konsequenzen seines Handelns tragen muss. Insbesondere bei wiederholten Fehlern. Leider hapert es häufig genau daran. Viel zu oft wird über Fehlverhalten hinweggesehen. Das aber demotiviert auch die übrigen Mitarbeiter. Denn die Botschaft, die ankommt, lautet: Was du hier tust, ob gut oder schlecht, ist sowieso egal. Klar, dass solche Mitarbeiter irgendwann nur noch einen Job für Geld machen und nicht, weil sie was erreichen wollen."

Wie ließen sich die Lernerfahrungen von Wikipedia zur Mitarbeitermotivation auf Ihr Unternehmen übertragen?

 

Quellen und weiterführende Hinweise

 

Bildnachweis Titelfoto: cate_89/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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