Mit emotionaler Intelligenz zu besseren Strategien

Strategie & Innovation Caroline Trautvetter

Strategisches und taktisches Denken haben eine Gemeinsamkeit: beide nutzen emotionale Ressourcen. Hirnforscher fanden heraus, dass gerade die besten Strategen während der Denkprozesse eine hohe Aktivierung von Hirnarealen im emotionalen Bereich zeigten. Die Erkenntnisse haben auch Auswirkungen für Veränderungsprozesse.

Sowohl strategisches als auch taktisches Denken nutzt sozio-emotionale Ressourcen, besonders in den Köpfen der fähigsten Strategen.“

Diese Aussage stammt aus einer Studie durchgeführt von den US-Wissenschaftlern Gilkey, Caceda und Kilts. Sie untersuchten die Gehirnaktivität von Teilnehmern eines Executive-MBA-Programms, während sie Aufgaben zum strategischen Planen und taktischen Denken lösen sollten. Anders als bei vielen ähnlichen Untersuchungen ging es den Wissenschaftlern nicht einzig und allein um die aktivierten Hirnregionen, sondern um deren Interaktion.

Erstaunliche Ergebnisse der Studie

Eine Hirnregion wird schon immer besonders mit strategischem Denken verknüpft – der präfrontale Kortex. Er ist unter anderem für Vorgänge der Antizipierung, Risikoabschätzung und des Problemlösens zuständig. Eine Aktivierung dieser Region konnte auch in der beschriebenen Studie nachgewiesen werden.

Interessant und gleichzeitig ein neuer Erkenntnisgewinn ist jedoch, dass sich bei besonders guten Strategen eine höhere neuronale Aktivierung jener Hirnareale zeigt, welche für Emotion und Intuition bekannt sind. Die Aktivität in diesen Hirnregionen ist nicht nur höher als bei „schlechteren“ Strategen, sie übersteigt auch das Aktivitätsniveau in den Hirnregionen, die für die rationalen Prozesse zuständig sind.

Auf Seiten des taktischen Denkprozesses konnte Ähnliches gezeigt werden. Auch hier wurde bei besonders guten Taktikern eine Verknüpfung mit der Weiterleitung von Emotionen und Arealen, die generell für Emotion und Intuition zuständig sind, gefunden. Gute Strategen und Taktiker verbinden also Gedankengänge und beziehen bei beidem sozioemotionale Prozesse ein.

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Emotionale Intelligenz spielt eine wichtige Rolle am Arbeitsplatz, und nach der Erkenntnis dieser Studie sogar eine noch wichtigere als bereits angenommen.
    Denn nicht nur für ein funktionierendes Team und im Umgang mit Konflikten ist sie essentiell, sondern auch in den sogenannten „Königsklassen“ der Managertätigkeit -dem strategischen Planen- ist sie ein Indikator für Erfolg.
  • Strategische Planungsprozesse und taktische Überlegungen bzw. deren Umsetzung sollten nicht mehr getrennt betrachtet werden.
    Oft sind unterschiedliche Leute für eben diese beiden Tätigkeiten zuständig. Da diese aber im Gehirn über die sozioemotionalen Prozesse eng miteinander verknüpft sind, sollten auch in der Praxis Strategie und deren Umsetzung verbunden werden und so eine ganzheitliche Betrachtung von Veränderungsprozessen stattfinden.

Nicht selten ist mir als Psychologiestudentin aufgefallen, dass die Betonung der Wichtigkeit von emotionalen Fähigkeiten oder sozialer Intelligenz im Beruf oft belächelt wird. Viele sehen die Leistungen, gemessen an Noten oder Profit o.Ä., als den alleinig ausschlaggebenden Punkt für beruflichen Erfolg. Es steht außer Frage, dass rationale Denkfähigkeit eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer guten Strategie ist, jedoch macht erst die Einbeziehung von Emotionen die Strategie zu einer, die sich von anderen abhebt.

 

 

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Gilkey, R., Caceda, R. & Kilts,C (2012). Emotionale Manager sind bessere Strategen. Harvard Business Manager, Nov. 2012, S. 22-23

 

Bildnachweis Titelfoto: PathDoc/shutterstock.com

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Caroline Trautvetter

Psychologin Caroline Trautvetter

Als Psychologiestudentin der FU Berlin und Mitglied im Team von zeitsprung beschäftigt sich Caroline Trautvetter mit der Verbindung von moderner Forschung und praktischem Business-Alltag.

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