Kindertage - zeitlos leben und entspannen

Kathrin Scheel

Konzentration Übung Gehirn

Kennen Sie das auch? Ihre Zeit ist verplant – täglich. Und in der Regel verplanen Sie mehr als 24 Stunden. Am Ende des Tages wundern Sie sich, dass Sie den ganzen Tag von A nach B unterwegs waren und haben dennoch das Gefühl, nichts geschafft zu haben. Zumindest nicht all das, was Sie sich vorgenommen hatten.

Wie geht es Ihnen, wenn ein Termin ausfällt und Sie praktisch eine oder auch zwei Stunden Zeit gewinnen? Gehören Sie auch zu denjenigen, die nun schnell schauen, wie sie die gewonnene Zeit sinnvoll nutzen können? Auf Ihrer Agenda stehen ja ohnehin genug Dinge, die schon länger liegen geblieben sind.

Und wie ist es um die Planung Ihrer Freizeit bestellt? Sehr ähnlich?
Sind Ihre freien Tage, Wochenenden und Ihr Urlaub auch verplant?

Mir ging es zumindest lange Zeit so. An den Wochenenden arbeite ich oft. Meine freien Tage liegen deshalb in der Woche – und schnell habe ich auch hier meinen Kalender gefüllt mit Terminen für Besorgungen, Treffen mit meinen Kindern und Enkeln und Freunden oder Kollegen. Wirklich erholt gefühlt habe ich mich am Ende dieser Tage dann doch nicht – bis ich die „Kindertage“ für mich entdeckt habe – eine Strategie, zu der ich auch Sie einladen möchte.

 

Kindertage – was heißt das?

Inspiriert zu meinen Kindertagen wurde ich durch meinen Enkel. Er ist jetzt 2 ¾  Jahre und ich fand es faszinierend, wie er seine Zeit verbringt: Die Dinge auf sich zukommen lassen, zu schauen, was ihm begegnet und dann das zu nehmen, was ihn gerade interessiert. Genau genommen verbringt er so den ganzen Tag – wenn wir ihn lassen.

Das hat mich fasziniert und ich habe mir die Frage gestellt, wie es wäre, wenn man ab und an auch als Erwachsener so durch den Tag geht. Kann es uns gelingen, dieselbe Freude, dasselbe Glück zu empfinden, den Spaß an neuen Entdeckungen wieder zu gewinnen? Um die Antwort vorwegzunehmen, es funktioniert.

 

Wie bin ich vorgegangen?

Als erstes habe ich Kinder beobachtet – nicht nur meinen Enkel, sondern auch andere Kinder und habe immer mehr bestätigt gefunden, dass ihr Umgang mit der Zeit genau das spiegelt, was ein Achtsamkeitstraining auszeichnet: Kinder leben im Moment und nehmen bewusst wahr – eine hervorragende Möglichkeit, zu mehr innerer Balance zu finden.

Als zweites habe ich getestet, ob der von mir erwartete Effekt sich tatsächlich bestätigt.  Angefangen habe ich mit kleinen Zeiteinheiten: mal waren es 20 Minuten, mal eine halbe Stunde. Meine Erfahrungen waren ambivalent: zum einen habe ich viel entdeckt und erfahren: Dinge, die ich früher gar nicht wahrgenommen habe. Zum anderen fiel es mir anfangs gar nicht leicht, nicht zu planen. Dann gab es auch die Momente, in denen gar nichts passierte: eine Tätigkeit, z.B. Lesen, war abgeschlossen und es entstand so etwas wie Leere. Was würde ein Kind jetzt tun, habe ich mich dann gefragt. Die Antwort war nicht schwer: gucken, was als nächstes auf mich zukommt oder was mir einfällt.

Überwogen haben für mich die glücklichen Momente und schon nach wenigen Test-Einheiten fiel es mir sehr viel leichter, eine zeitlang planlos durch den Tag zu gehen.

Ich habe also die „Kindertage“ fest etabliert – oft sind es halbe Tage oder Stunden, manchmal aber auch ein ganzer Tag.

 

Welche Folgen hat das?

Zum einen bin ich glücklich wie ein Kind, weil ich das tue, was mir Spaß macht. Zum anderen lerne ich jede Menge, weil ich mich um Dinge kümmere, die mich interessieren und ständig Sachen entdecke, die im normalen Alltag nur so an mir vorbeirauschen. Oft entfaltet sich in diesen Momenten – einfach so – auch ein unglaubliches Kreativitätspotenzial. Plötzlich sind da – scheinbar aus dem Nichts – jede Menge neuer Ideen.

Was wir als Erwachsene von den Kindern lernen können, ist der selbstverständliche Zugriff auf unsere Ressourcen, die bei uns häufig verschüttet sind: Kinder sind ganz natürlich und ohne Anstrengung kreativ, neugierig, achtsam, unendlich geduldig, lösungsorientiert und beharrlich in ihrem Bemühen. Wir alle waren mal so, wir haben es nur verdrängt! Unsere Kinder können uns vielleicht helfen, den Zugang zu diesen Fähigkeiten wieder freizuschaufeln.

Auch Sie werden beeindruckt sein, auf welche Ideen Kinder – und auch Sie selbst, wenn Sie es ihnen gleichtun - kommen, wenn wir uns wieder selbst entdecken, eingetretene Pfade verlassen und uns selbst vertrauen. Es lohnt sich also, es einmal auszuprobieren.

 

Warum Kindertage kinderleicht sind

Die Antwort ist: Weil Sie es können, denn Sie waren ja auch mal ein Kind. Vielleicht ist das schon etwas länger her oder Sie können sich nicht mehr so genau daran erinnern. Die nachfolgenden Fragen sind beliebig erweiterbar oder je nach Situation abwandelbar, können Ihnen aber einige Anregungen geben:

  • Wie würde ein Kind in dieser Situation reagieren?
  • Was würde es als nächstes tun?
  • Worauf haben Sie gerade Lust?
  • Wie wären Sie diese Fragestellung im Alter von x Jahren angegangen?
  • Wie hätten Sie das Problem gemeinsam mit Ihrer besten Freundin/Ihrem besten Freund gelöst?

 

Wie können Sie Kindertage für sich etablieren?

Als erstes ist es gut, Kinder zu beobachten. So können Sie am besten von ihnen lernen.
Das können Sie tun, wo immer Ihnen Kinder begegnen – ob beim Einkaufen, in der S-Bahn oder auf der Straße. Nutzen Sie den Sommer und setzen Sie sich auf den Spielplatz. Schauen Sie genau hin, wie die Kinder ihre Zeit verbringen. Beobachten Sie, wie Kinder in ihrem eigenen Tempo die Welt entdecken – mal sind sie wahnsinnig schnell unterwegs, manchmal auch ganz langsam. Auf jeden Fall aber immer in der Zeit – zu 100%.

Als nächstes machen Sie es ihnen einfach nach: fangen Sie wie immer gerne in kleinen Schritten an – es muss also nicht gleich ein „ganzer Kindertag“ sein, Sie können auch mit einer halben Stunde starten. Lassen Sie die Dinge auf sich zukommen und seien dankbar für das, was kommt.

 

Am Ende Ihres Kindertages oder Ihrer Kinderstunde können Sie sich die folgenden Fragen stellen:

  • Woran hatte ich besonders viel Freude?
  • Was habe ich neu gelernt? Und natürlich:
  • Wann nehme ich mir meinen nächsten Kindertag?

 

Ich wünsche Ihnen eine zeitlos glückliche Zeit!

Ihre Kathrin Scheel

 

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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