Good Morning, Vietnam!

zeitsprung Marian Jasencak

Ein Teleworking-Experiment

Teleworking in Vietnam

Nachdem wir uns vor zwei Wochen in unserem Blog mit den allgemeinen Vorteilen flexibler Arbeitszeiten befasst haben, hat meine Kollegin Caroline Trautvetter in der vergangenen Woche geschildert, wie wir bei zeitsprung die Theorie in die Praxis umsetzen.

Alles, was sie in ihrem Beitrag beschreibt, gilt grundsätzlich auch für mich: Ich übernehme bei zeitsprung in erster Linie PR- und Kommunikationsaufgaben und arbeite dabei eine fest vereinbarte Stundenanzahl pro Tag und Woche, die ich dokumentiere und mir weitgehend frei einteilen kann. Die Kommunikation mit den Kollegen läuft über E-Mail und Telefon, Tools wie Dropbox, Doodle usw. sind praktische Hilfsinstrumente. Home Office ist für mich die Regel, Büroarbeit eher die Ausnahme.

Aber wieso soll man eigentlich immer im Büro sitzen oder von zu Hause aus arbeiten, wenn man auch ganz woanders sein könnte? Wenn alles, was man für seine Arbeit braucht, ein Laptop und ein Internet-Anschluss ist? Diese Fragen stelle ich mir schon seit Längerem, die Lebensweise der digitalen Nomaden finde ich faszinierend. Ich wollte das auch gerne einmal ausprobieren und habe mich sehr gefreut, bei zeitsprung mit dieser Idee auf Unterstützung und offene Ohren zu stoßen.

Was ist zu beachten?

Als Ziel meiner Reise hatte ich mir für den grauen Berliner November nun aber auch kein Wochenendhäuschen am Scharmützelsee überlegt, sondern direkt den Fernen Osten: 5 Wochen in Vietnam. Auch das war betriebsintern kein Problem – einige Voraussetzungen sollten bei so einem Experiment aber auf jeden Fall erfüllt sein:

  • Zwischen Chef und Mitarbeiter muss ein absolutes Vertrauensverhältnis bestehen. Natürlich muss sich die Firma darauf verlassen können, dass die Arbeit weiterhin fristgerecht in gewohnter Qualität geleistet wird und der Mitarbeiter seinen Freiraum nicht missbraucht.
  • Die technische Durchführbarkeit muss gewährleistet sein. Der Mitarbeiter hat sicherzustellen, dass er ungehinderten Zugang zum Internet hat und erreichbar ist.
  • Regelmäßiger Austausch zwischen Büro und Mitarbeiter sorgt dafür, dass beide Seiten stets über den aktuellen Projektstand informiert sind.
  • Das Risiko unvorhergesehener Probleme besteht insbesondere bei Fernreisen immer, sollte aber soweit wie möglich minimiert werden – wenn sie sich nicht verhindern lassen, ist klare, offene Kommunikation das A und O.
  • Praktische Details wie Zeitverschiebung und kulturelle Gegebenheiten dürfen nicht außer Acht gelassen werden.
Teleworking in Vietnam

Am meisten Sorgen bereitete mir bei meinen Planungen im Vorfeld die digitale Erreichbarkeit: Vietnam ist nach wie vor ein kommunistisches Land, in dem bis vor wenigen Jahren das Internet zensiert und der Zugang zu Facebook gesperrt wurde. In Teilen ist das sicherlich auch heute noch so, ein Besuch von Mark Zuckerberg Ende 2011 trug aber zu einer deutlichen Lockerung der Restriktionen bei, von der ich nun profitieren konnte.

Vietnam ist fortschrittlicher als Deutschland

Ich persönlich kann das Fazit ziehen, dass ich in Vietnam zu keinem Zeitpunkt Probleme hatte, ins Internet zu kommen und das Land in dieser Hinsicht für fortschrittlicher halte als Deutschland: In den Taxis, in den Überlandbussen, in jedem Restaurant, jedem Hostel, Hotel und jeder Strandklitsche gibt es W-LAN; das Passwort muss meistens nicht einmal erfragt werden, sondern hängt direkt offen aus. Die Surfgeschwindigkeit war überall mehr als ausreichend, Facebook problemlos zugänglich. Für die telefonische Erreichbarkeit besorgte ich mir eine vietnamesische Sim-Karte. Und auch die Zeitverschiebung kam mir zupass: Da Asien Europa einige Stunden voraus ist, machte ich vormittags meist einen Spaziergang durch die Stadt, ging an den Strand oder besichtigte Museen und Sehenswürdigkeiten, arbeitete am Nachmittag und hatte abends noch ein paar freie Stunden, um den Tag ausklingen zu lassen.

Reifenpanne in Vietnam

Gab es denn gar keine Probleme?

Ganz ohne Probleme lief das Experiment nicht ab. Einmal hatte ein Bus eine Reifenpanne, sodass ich meinen Zielort erst mit drei Stunden Verspätung erreichte. Und ich musste die Reise letztlich aus privaten Gründen verfrüht abbrechen.

Meiner Begeisterung für diese superflexible Form des Arbeitens tut das indes keinen Abbruch: Aus meiner Mitarbeiter-Sicht hat dieses Extrem-Teleworking gut funktioniert, es gab keine größeren Hindernisse oder Störungen, die Kommunikation nach Deutschland lief reibungslos und ich konnte meine Arbeit so verrichten wie immer – mit dem Unterschied, dass ich nach dem Herunterfahren des Laptops noch schnell einmal in den Pazifik springen konnte statt nur in die heimische Badewanne. Für mich eine Riesensteigerung meiner Lebensqualität!

Ist auch aus Arbeitgeber-Sicht alles so glatt verlaufen? Darüber berichten wir nächste Woche an dieser Stelle.

 

 

Bildnachweis: Marian Jasencak/privat

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