Glaubenssätze: Wie Sie sich ein für allemal freimachen

Personalentwicklung Juliane Scheel

employer branding, weiterbildung, mitarbeiterentwicklung

 

Glaubenssätze sind ein fester Bestandteil unserer Persönlichkeit, sowohl förderliche als auch hinderliche. Im Grunde sind Glaubenssätze nichts sehr viel anderes als Vorurteile: Wir haben ein Urteil über etwas gefällt und das glauben wir – manchmal Zeit unseres Lebens. Zum Teil sind das ganz persönliche Glaubenssätze, die wir in den meisten Fällen von unseren Eltern oder Lehrern übernommen haben, zum Teil sind sie kollektiv fest verankert.

Jeder Mensch hat Glaubenssätze 

Jeder Mensch hat sie, auch Führungskräfte – und wenn wir im Rahmen von Employer Branding über Führungskultur sprechen, bedürfen auch Ihre Glaubenssätze als Unternehmer oder Führungskraft einer regelmäßigen Reflexion. Lassen Sie uns also schauen, wie es um Ihre Glaubenssätze bestellt ist.

Einer meiner persönlichen Glaubenssätze ist zum Beispiel: „Juliane, du könntest alles schaffen, was du willst. Aber du bist einfach zu faul.“ Das habe ich in meiner Kindheit und Jugend sehr oft gehört. Ob es nun stimmt oder nicht, spielt erstmal gar keine so große Rolle. Das eigentliche Problem damit ist: Ich habe mich sehr lange darauf ausgeruht. Denn ich könnte ja alles, wenn ich wollte. Und so lange ich einfach nichts mache, habe ich auch nichts zu verlieren. Wenn ich aber doch etwas angehe, kann ich scheitern. Und dann? Hätten vielleicht alle Unrecht? Dann wäre der Ruf meines imaginären Riesen-Potenzials ganz schnell dahin und ich stünde im Grunde schlechter da als jetzt. Oder? Mittlerweile bin ich so weit, dass mich dieser Glaubenssatz nicht mehr beeinflusst. Aber dazu später mehr.

 

Fangen Sie bei sich selbst an

Was ist es für Sie? Was sind Ihre persönlichen Glaubenssätze? Was haben Eltern, Lehrer, Geschwister oder auch Freunde in Ihrer Kindheit und Jugend immer wieder über Sie gesagt? 

Nehmen Sie sich bitte Stift und Papier und schreiben Sie alles auf, was Ihnen einfällt. Differenzieren Sie zwischen den förderlichen Sätzen, die Sie in Ihrer Entwicklung voranbringen und denen, die Sie als hinderlich empfinden und die Sie deshalb gerne überwinden möchten.

Wenn Sie keinen richtigen Anfang für die hinderlichen Glaubenssätze finden, dann können Sie einmal überlegen, welche Aussagen Sie grundsätzlich generalisieren, zum Beispiel: „Ich habe NIE Glück“, „Ich muss IMMER alles alleine machen“, „ALLE sind erfolgreich, nur ich nicht“ usw. So kommen Sie Ihren Glaubenssätzen allmählich auf die Spur. Sie können sich in den nächsten Tagen auch einmal aufmerksam selbst in Ihrem Alltag beobachten und sich in Situationen, in denen Sie einen inneren Widerstand spüren, fragen: „Was denke ich gerade? Was lässt mich diesen Widerstand spüren? Was hält mich ab, dies oder jenes zu tun?“ Mit diesen Fragen kommen Sie Ihren Begrenzungen Stück für Stück auf die Schliche.

Wie bereits erwähnt, gibt es neben den persönlichen Glaubenssätzen noch die anderen, die nicht weniger tückisch sind: Das sind Annahmen, die kollektiv oft sehr tief verankert sind. Die meisten von uns werden sie kennen.

Einige klassische Glaubenssätze sind: 

  • „Geld fällt nun mal nicht vom Himmel. Das muss man sich hart erarbeiten.“
  • „Das Leben ist kein Ponyhof.“
  • „Im Leben gibt es nichts geschenkt.“
  • „Eigenlob stinkt. Geld übrigens auch.“
  • „Im Leben muss man sich durchbeißen.“
  • „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Sicher fallen Ihnen noch mehr ein. Was die meisten dieser Glaubenssätze gemeinsam haben: Alles ist sehr hart und sehr schwer. Nichts darf leicht gehen. Nichts darf Spaß machen – zumindest nichts, was mit Arbeit und Geld zu tun hat. Die Idee von: „Meine Arbeit bereitet mir Vergnügen und ich kann damit meinen Lebensunterhalt bestreiten“, scheint völlig unmöglich. Die Frage ist: Ist es wirklich unmgölich? Ich glaube nicht. Nein, eigentlich WEIß ich, dass das nicht stimmt.

 

Hinderliche Glaubenssätze auflösen - 3 Wirkungsvolle Strategien

 

Was machen Sie nun also mit all den hinderlichen Gedanken, die Sie gesammelt haben und: wie können Sie diese auflösen?

Wir haben drei wirkungsvolle Strategien für Sie parat:

 

1. Wahrheitsgehalt der Glaubenssätze prüfen

Nehmen Sie sich Ihre Liste einmal vor und fragen Sie sich: Stimmt das wirklich (noch)? Oder habe ich nicht längst die Erfahrung gemacht, dass ich ganz anders bin? Diese Frage ist schon eine gute Überleitung zu der zweiten Empfehlung:

 

2. Gegenbeispiele und Ausnahmen sammeln

Ein sehr wirksamer Weg, alte Glaubenssätze aufzulösen, ist, Gegenbeispiele und Ausnahmen zu sammeln. Nehmen wir als Beispiel einmal den Glaubenssatz: „Im Leben gibt es nichts geschenkt.“ Das stimmt ganz einfach nicht. Ich gehe zum Beispiel mit meinen zwei Kindern jeden Dienstag zum Kinderturnen, gleich nebenan ist ein kleiner Inder, bei dem wir uns danach regelmäßig ein Bhatura holen. Und dort bekommen meine Kinder IMMER einen Lolli geschenkt. Eine Freundin von mir hat mir neulich einen Tee mitgebracht, den sie noch zu Hause hatte und von dem sie wusste, dass ich ihn gerade gut gebrauchen kann. Einfach so, geschenkt, ohne Geburtstag, Weihnachten oder Ostern. Oder nach dem Abitur, da war ich ein Jahr in Australien und hatte mir eine schlimme Brandwunde zugezogen, mitten im Gesicht. Eines nachmittags saß ich in Perth in der Fußgängerzone, im Schatten, in die Sonne konnte ich ja nicht. Ich trank einen Erdbeersmoothie, als zwei Frauen mich ansprachen und mich fragten, ob sie für mich beten dürften. Sie knieten vor mir nieder (was mitten in der Fußgängerzone offen gestanden ein bisschen unangenehm war, aber auch sehr schön) und schenkten mir ihren Segen.

Das Fazit ist also: Es gibt im Leben was geschenkt, eine ganze Menge sogar. Und diese Feststellung werden Sie mit vielen Glaubenssätzen machen.

Nehmen Sie sich für die nächsten 3 Tage mal einen Ihrer hinderlichen Glaubenssätze vor und sammeln Sie pro Tag mindestens 3 Gegenbeispiele oder Ausnahmen.

 

3. Glaubenssätze auf ihre Logik prüfen

Nehmen wir noch kurz: „Eigenlob stinkt“. Was für ein Unfug! Wie sollen Sie denn selbst wirksam werden, wie sollen Sie andere inspirieren und Ihr Potenzial in die Welt bringen, wenn Sie nicht wissen dürfen, was Sie gut können und dazu auch stehen? Das macht schlichtweg keinen Sinn.

Stellen Sie also Glaubenssätze, die Ihnen nicht gut tun, mal auf den Prüfstand der Logik!

 

Bei Ihnen fängt alles an – aber bei Ihnen hört es noch lange nicht auf

Genau wie Sie haben mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Ihre Mitarbeiter einige blockierende Glaubenssätze verinnerlicht. Da das ein sehr persönliches Feld ist, ist es nicht immer leicht, das Thema Glaubenssätze offen anzusprechen. Sie können diesen mentalen Blockaden aber trotzdem sehr effektiv entgegenwirken, und zwar, in dem Sie eine Unternehmenskultur etablieren, die diesen Glaubenssätzen von vorneherein den Garaus macht. Legen Sie zum Beispiel gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern fest: „Fehler sind uns willkommen.“ oder: „Vergnügen und Arbeit sind für uns ein und dasselbe Paar Schuhe“ oder „Kennt eure Stärken und steht dazu“. Oder was auch immer Ihnen besonders wichtig ist.

Wenn Sie nicht genau wissen, wie Sie es angehen sollen: In unserem eBook zum Employer Branding finden Sie kristallklare Schritt-für-Schritt Anleitungen, um eine Unternehmenskultur aufzusetzen, die exakt zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt.

Stellen Sie sich vor, welche Wirkung es hat, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Team mit diesen förderlichem Glauben unterwegs sind. Was wird dann möglich?

 

Und ein letzter Tipp, der für die meisten Unternehmer zur zweiten Haut geworden ist, für Ihre Mitarbeiter aber vielleicht noch nicht:

Fördern Sie Entscheidungsfreudigkeit! Auch wenn es bedeutet, dass Sie sich auch mal falsch entscheiden, vermeiden Sie so den Stillstand. Legen Sie einen Entscheidungsrahmen fest, in dem Ihre Mitarbeiter sich frei bewegen können. So können Sie zum Beispiel sagen: „Entscheidungen über Ausgaben (zum Beispiel Entschädigungen, Kulanzentscheidungen usw.), die 100 Euro nicht überschreiten, können von den Mitarbeitern eigenständig getroffen werden. Oder Sie weisen Ihren Mitarbeitern Projektpakete zu, die sie komplett eigenständig bearbeiten können. Lassen Sie sich in regelmäßigen Meetings über Entscheidungen und Fortschritte informieren, um die Geschehnisse im Blick zu behalten und üben Sie sich ansonsten in Vertrauen. Sie werden wahrscheinlich sogar überrascht sein, wie sehr Ihre Mitarbeiter über sich selbst hinauswachsen, wenn Sie spüren, dass Sie ihnen etwas zutrauen und ihnen Aufgaben und Entscheidungen anvertrauen.

 

Denn erst so wird wirklich Entwicklung möglich und die Möglichkeit zur Selbstentwicklung und Selbstentfaltung gehört zu den wertvollsten Geschenken, die Sie Ihren Mitarbeitern als Arbeitgeber machen können.

 

Zum Schluss

Erinnern Sie sich noch an mein Beispiel vom Anfang? Dass ich alles schaffen könnte, wenn ich nur wollte? Aber vielleicht auch radikal scheitern, wenn ich es wirklich mal darauf anlege? Die Frage ist doch: Was wäre dann? Was würde denn passieren, wenn alle Unrecht hätten, und ich gar nicht so furchtbar viel Potenzial habe, wie alle denken? Die Wahrheit ist: Nichts. Es würde rein gar nichts passieren. Ich wäre immer noch ich, ich hätte immer noch alle Möglichkeiten der Welt und wäre schlichtweg um eine Erfahrung reicher. Reicher! Das ist das Schlüsselwort. Am Ende ist es nicht so sehr wichtig, was andere über uns denken. Was wirklich wichtig ist, ist, was wir über uns selbst denken. Und das entscheiden wir ganz allein. 

Ihre Juliane Scheel

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Juliane Scheel

Juliane Scheel ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin (M.A. Interkulturelle Kommunikation) und arbeitet als aktive Texterin und Lektorin sowohl im wirtschaftilchen als auch im akademischen Bereich. Zudem gibt sie Seminare und Schreibberatungen und ist damit zeitsprungs Fachfrau rund um die Themen Text und Kommunikation.

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