frag zeitsprung #2: Wollen Mitarbeiter wirklich einbezogen werden?

Kathrin Scheel

Frag Zeitsprung - Reihe von zeitsprung - Fragen an Kathrin Scheel

 

Mit „Frag zeitsprung“ führen wir eine neue Rubrik in unserem Blog ein: an jedem ersten Montag des Monats beantworten wir Ihre Fragen rund ums Unternehmen. Ob es um Führung, Kommunikation, Motivation, Neugier & Innovation oder um Employer Branding geht – Sie schicken uns Ihre brennende Frage an info@zeitsprung-c2.de Wir greifen sie in unserem Blog auf.

Wollen Mitarbeiter wirklich einbezogen werden?

Heute hat uns Thomas Griebner geschrieben:

„Ich bin seit Anfang 2016 in einem mittelständischen Unternehmen als Führungskraft. Das Unternehmen befindet sich gerade in einer Umbruchsituation in Bezug auf die Firmenkultur. Es soll ein kooperativer Führungsstil entwickelt werden. Hierzu haben alle Führungskräfte an entsprechenden Seminaren teilgenommen, in denen es auch um das Thema Führung und Führungsstil ging. Wichtiger Bestandteil war hier die Einbeziehung der Mitarbeiter, ein Mitdenken sowie die Übertragung von Verantwortung. Ich persönlich fand die Seminare sehr wertvoll und wollte einige der neuen Erkenntnisse auch sofort in die Tat umsetzen. Das allerdings stellte sich als nicht so einfach heraus.

Hier konkrete Beispiele:

In Meetings stellte ich immer wieder die Frage, ob jemand noch zusätzliche Themen für das nächste Treffen hat – keine Antwort.

Ich habe einen „Briefkasten“ eingerichtet, wo Fragen, Meinungen, Verbesserungsvorschläge wenigstens erst einmal anonym eingeworfen werden können – dieser blieb bisher leer.

Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die Mitarbeiter an einer Einbeziehung gar nicht interessiert sind, sondern eher der Meinung sind, dass das alles meine Aufgabe ist.

Was kann ich noch tun?“

 

zeitsprung antwortet:

 

Hallo Herr Griebner, haben Sie vielen Dank, dass Sie Ihre Frage hier eingebracht haben.

Das Thema Einbeziehung gehört in der Tat neben Anerkennung/Wertschätzung, Eingehen auf persönliche Belange und emotionale Bindung zu den wichtigsten Themen der Mitarbeiterzufriedenheit.

Gut ist, dass Sie das auch so sehen. Und wir sind sicher, dass auch Ihre Mitarbeiter dieser Meinung sind, auch wenn dies im Moment noch nicht zum Tragen kommt.

 

Wie kommt das, fragen Sie sich.

Eine mögliche Erklärung kann die folgende sein:

Wie Sie schreiben, befindet sich Ihr Unternehmen in einer Umbruchsituation bezüglich der Unternehmenskultur. Das legt den Schluss nahe, dass bisher eine andere Kultur – in der Einbeziehung nicht in dem Maße gelebt wurde – herrschte. Liegen wir richtig mit dieser Annahme?

Wenn dem so ist, können Sie davon ausgehen, dass die Implementierung einer neuen Kultur Zeit braucht. Die Mitarbeiter müssen sich unter verschiedenen Aspekten auf die neue Situation einstellen. Dabei können Sie Ihre Mitarbeiter wie folgt unterstützen.

 

3 Schritte zur Einbeziehung

 

1. Schritt: Voraussetzungen schaffen

 

  1. Die Information
    Mitarbeiter müssen darüber informiert werden, dass es nun anders laufen soll und es sollte klar sein, welchen Nutzen das Unternehmen und auch sie selbst davon haben.
  2. Die Glaubwürdigkeit/das Vertrauen
    Welche Erfahrungen haben Mitarbeiter bisher gemacht, wenn Sie sich eingebracht haben? Wenn Sie in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Vorschläge immer wieder abgewiesen wurden, muss erst einmal Vertrauen hergestellt werden, dass man es tatsächlich ernst mit ihnen meint.
  3. Die Nachhaltigkeit
    Mitarbeiter müssen überzeugt davon sein, dass es sich bei der neuen Firmenkultur um ein langfristiges strategisches Unternehmensziel handelt und nicht um einen kurzfristigen Trend, von dem in ein paar Jahren nichts mehr übrig bleibt.

 

2. Schritt: Experimentieren - Was passt zu uns?

 

Sowohl Sie als auch Ihre Mitarbeiter betreten Neuland. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Sie Ihre Mitarbeiter einbeziehen können. Wir haben nachfolgend einige aufgezählt. Finden Sie heraus, was „das Richtige“ für Ihre Mitarbeiter ist. Beziehen Sie sie auch hier direkt ein.

  • Richten Sie im Intranet z.B. eine Lösungsplattform für anstehende Fragen ein
  • Richten Sie im Intranet Diskussionsgruppen ein zu bestimmten Fragestellungen Ihres Unternehmens
  • Initiieren Sie ein Ideenmanagement
  • Etablieren Sie ein MA-initiiertes Projektmanagement – gewähren Sie hierfür Freistellungszeiten von der Arbeit
  • Machen Sie Ihre Mitarbeiter zu „Unternehmern“ – Initiieren Sie ein Programm zum Intrapreneurship
  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in die Erarbeitung eines Prämiensystems ein
  • Führen Sie regelmäßige Informationen /Teambesprechungen durch – die Verantwortung übernimmt reihum jeweils ein Mitarbeiter
  • Rufen Sie Wettbewerbe zu relevanten Themen Ihres Unternehmens in´s Leben
  • Sorgen Sie für Weiterbildung
  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter aktiv in die Planung von Feiern (z.B. Sommerfeste/Weihnachtsfeiern) ein

 

3. Schritt: Das neue Üben

 

  1. Gewöhnung an das Neue
    Wenn die Meinung der Mitarbeiter bisher im Alltag nicht gefragt war, müssen sie sich an den Gedanken erst einmal gewöhnen. Lassen Sie Ihren Mitarbeitern also die Zeit, die sie brauchen.
  2. Schrittweiser Wandel
    Große Veränderungen vollziehen sich durch viele kleine Schritte. Fangen Sie mit kleinen, überschaubaren Projekten an. Das kann z.B. die Vorbereitung des nächsten Team-Meetings sein: Im Wechsel ist immer ein Mitglied des Teams verantwortlich für die Moderation des nächsten Meetings – von der Erstellung der Agenda bis zum Protokoll.
  3. Prozessbegleitung
    Begleiten Sie Ihre Mitarbeiter. Übertragen Sie Verantwortung und signalisieren Sie gleichzeitig, dass Sie für Fragen jederzeit zur Verfügung stehen. So geben Sie Ihren Mitarbeitern die nötige Sicherheit.

 

Wir wünschen Ihnen gutes Gelingen und stehen gerne zur Verfügung, wenn Sie weitere Fragen haben. Im Übrigen spielt das Thema Einbeziehung auch in unseren kostenlosen E-Mail-Lektionen zum Thema Employer Branding eine große Rolle. Abonnieren Sie hier unseren kostenfreien E-Mail-Kurs.

 

Ihre Kathrin Scheel
von zeitsprung

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Auch in unserem kostenlosen E-Mail Kurs zum Employer Branding sowie in unserer Facebook-Gruppe zu diesem Thema geht es von Lektion 1 an um die Einbeziehung der Mitarbeiter!

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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