Firma ohne Chef - Lernen von einem Startup

Führung & Unternehmenskultur Dominic Böhmer

Das amerikanische Startup Buffer macht es vor: das Arbeiten ohne Chef. Das Social Media-Unternehmen hat Manager abgeschafft und eine Organisation etabliert, die sich selbst managed. Das spannende daran – totale Freiheit ist gar nicht so einfach und kann sogar zur Last werden. Lesen Sie selbst, welche Erfahrungen Buffer gemacht hat.

In einem Interview des inc.com-Redakteurs Jeff Haden berichtet Leo Widrich einer der beiden Gründer von Buffer über die Erfahrung von Buffer mit dem Arbeiten ohne Chef und der grenzenlosen Selbstverantwortung.

2010 gegründet bietet Buffer heute für Privatpersonen wie Firmen Lösungen an, um das Teilen von Informationen über die verschiedenen Social Media-Kanäle wie Twitter, Facebook & Co. zu vereinfachen.

Buffer – vollkommene Transparenz und Partizipation

Von Anfang an war den Buffer-Gründern eines wichtig: vollkommene Transparenz im Unternehmen. „Es ist ganz einfach: wenn Du möchtest, dass jedermann in der Firma großartige Entscheidungen treffen kann, dann muss auch jedermann Zugang zu allen wichtigen Informationen haben.“, so Leo Widrich.

Partizipation ohne Chef

Irgendwann begann Buffer dann auch, Manager abzuschaffen und die Verantwortung in die Hände der Mitarbeiter selbst zu geben. Das Ziel: Die Gründer hatten Buffer aufgebaut, um selbst keinen Chef über sich zu haben. Diese Erfahrung wollten sie auch den anderen Mitarbeitern zuteilwerden lassen.

Grenzen der grenzenlosen Freiheit

Interessant ist, an welchen Stellen die grenzenlose Freiheit an ihre Grenzen stieß. Nachstehend drei Beispiele:

  • Das eigene Gehalt festlegen: Zunächst klingt es ja toll, das eigene Gehalt ohne jede Rahmenvorgaben festlegen zu können. In der Praxis stellte sich aber heraus, dass es die Mitarbeiter zum Teil sehr unter Druck gesetzt hat, für sich selbst ein gerechtes Gehaltsniveau innerhalb der Firma festzulegen. Buffer ist deshalb dabei, einen Rahmen für Gehaltsfragen vorzugeben, innerhalb dessen die Mitarbeiter weiterhin Freiheitsgrade bezüglich ihres Gehaltes haben.
  • Zuständigkeiten klären: In der ersten Version der Organisation ohne Chef hatte jeder die Freiheit, alle Sachverhalte zu entscheiden, die mit seiner Arbeit in Zusammenhang standen. Das wurde für eine ganze Reihe von Mitarbeitern jedoch zu einer großen Bürde – sie konnten sich nicht ausreichend abgrenzen. Deshalb ist Buffer dazu übergegangen, die Verantwortung von Teams klar zu regeln und ihnen innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs volle Entscheidungsfreiheit zu geben.
  • Mitarbeiter entwickeln: Als größten Fehler bezeichnet Leo Widrich, dass mit dem Abschaffen der Manager auch die 1:1-Gespräche zwischen Manager und Mitarbeiter wegfielen. Das führte dazu, dass einer der besten Mitarbeiter kündigte. Der Grund: Er hatte den Eindruck, dass er sich persönlich nicht mehr weiterentwickelte – ihm fehlte individuelles Feedback und gezielte Impulse bei der Bewältigung von Herausforderungen. Inzwischen gibt es wieder 1:1-Gespräche, die von erfahrenen Mitarbeitern geführt werden.

Fazit

In Summe kann man sagen: Je freier und selbstbestimmter die Menschen in einer Organisation arbeiten sollen, umso expliziter und greifbarer müssen Visionen, Ziele und Strukturen sein und umso mehr ist gezieltes Mentoring und Coaching erforderlich.

 

Quellen und weiterführende Hinweise

 

 

Bildnachweis Titelfoto: Sfio Cracho/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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