Kommunikation für Experten – Warum Sie Ihre Metaphern sorgfältig überprüfen sollten

Kathrin Scheel

Wenn wir uns diesem spannenden Thema zuwenden, sollten wir zunächst einmal die Frage klären, was eigentlich eine Metahper ist?

Metapher ist die zusammenfassende Bezeichnung für einen anschauungs- und assoziationsreichen Sprachstil sowie für poetische Bildlichkeit. Das Wort setzt sich zusammen aus dem griechischen „meta“ = hinüber und „pherein“ = tragen. Wir finden Metaphern in der Kunst, ganz egal ob Literatur, Musik, Malerei oder Architektur.

 

Und warum haben Metaphern eine so starke Wirkkraft?

Die Ursache finden wir in der Arbeitsweise unseres Gehirns. Dieses arbeitet sehr viel stärker bildlich-assoziativ als sprachlich-kognitiv. Daher rühren Sprüche wie: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Eine Metapher zu nutzen heißt  also, dass wir das, was wir sprachlich ausdrücken wollen, in ein Bild übersetzen.

Die Wirkung ist unbenommen: Mit Metaphern erreichen Sie Menschen auf der emotionalen Ebene, Sie können komplexe Sachverhalte verständlich ausdrücken und vieles mehr.

Auch Sie setzen sie mit Sicherheit schon vielfach ein, zum Beispiel 

  • um Ihren Mitarbeitern Ideen und Anregungen zu geben, die Denkprozesse in Gang setzen
  • um Prozesse „sichtbar“ zu machen, da Metaphern diese veranschaulichen, erhellen und verdeutlichen können
  • um Ihre Mitarbeiter auf der Gefühlsebene anzusprechen
  • um Humor in den Alltag zu bringen
  • um eigene Interpretationen zu ermöglichen und vieles mehr

Sie schaffen durch den Einsatz von Metaphern einen Raum, der Kreativität und Motivation ermöglicht.

 

Weshalb ist ein bewusster Umgang mit Metaphern so wichtig?

Gerade aufgrund der großen Wirkung von Metaphern ist es wichtig, dass Sie sehr bewusst mit der Wahl Ihrer Metaphern umgehen. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich mich als Bergsteiger sehe, der erfolgreich einen 8000er erklommen hat oder als Zwerg, der vor einer unüberwindlichen riesigen Eiswand steht, oder?

Daneben gibt es aber noch etwas Entscheidendes, auf das ich durch Zufall gestoßen bin und das mich so beeindruckt hat, dass ich es unmittelbar mit Ihnen teilen möchte. Eine Bekannte hat mir das Buch „Leben in Metaphern“ von George Lakoff und Mark Johnson empfohlen. Es habe ihr Leben verändert, so sagte sie mir. 

Ich war von ihrer Erzählung so beeindruckt, dass ich mir das Buch auch gleich bestellt habe – und es lässt mich seitdem nicht mehr los. Hier geht es nämlich nicht nur um den Gebrauch von Metaphern sondern vor allem um die Konzepte, die der Metaphernbildung zugrunde liegen sowie deren Auswirkung auf unser Denken und folglich unser Handeln, getreu dem Wittgensteinschen Zitat: „Sprache schafft Wirklichkeit“.

Und oft ist es so, dass wir Konzepte, die Alltags-Metaphern zugrunde liegen, übernehmen, ohne sie zu hinterfragen. Was aber könnte gelingen, wenn wir hier einen kritischen Blick auf die Struktur der Metapher werfen und diese ändern? Ich glaube, dass es uns ermöglicht, ganz anders durch die Welt zu gehen.

 

Ich habe 3 Beispiele für Sie herausgesucht

Beispiel 1: Konflikte sind Krieg

Das ist ein oft im Unbewussten wirkendes Konzept. Wir sprechen dann in der Folge von

  • Grabenkämpfen
  • Gesichtsverlusten
  • Gewinnen und Verlusten, die man hinnehmen muss,
  • Teil-Siegen oder -Niederlagen
  • Rückschlägen
  • Boden wieder gut machen
  • Das Abschmettern von Argumenten des Gegners

Unsere Bildsprache ist in diesem Fall eine kriegerische. Wenn Sie mal im Alltag bewusst die Ohren spitzen, werden Sie viele Beispiele finden, die ein hohes Aggressionspotenzial bergen. „Ab jetzt gibt´s in die Fresse“ sagt nicht nur die Politikerin nach der Wahl, die selbst austeilen will, sondern auch der Fußballtrainer, der nach einem misslungenen Spiel Gegenwind befürchtet. „Wir haben keine Beißhemmung“ sagt ebenfalls eine Politikerin im Interview, als sie nach der Reaktion ihrer Partei auf den Dieselskandal gefragt wird.  

Wie kann es mit dieser Sprache gelingen – hinter der ja Denk- und Glaubenssätze stecken - , kluge Lösungen im Interesse aller Beteiligten herbeizuführen? Ich denke, das wird schwierig!

 

Beispiel 2: Verhandlungen sind Kampf

Ich hatte vor 2 Wochen eine Führungskraft im Coaching, die davon sprach, dass sie am Montag morgen wieder auf ihre Gegner treffen würde. Sie sprach von einem Teammeeting. Sprachlich äußert sich das z.B. so:

  • Ich brauche mehr Durchsetzungskraft
  • Ich muss gewinnen
  • Wir gehen in die Offensive
  • Wir kämpfen um unsere Position bis ans Ende
  • Wir verteidigen unsere Perspektive
  • Wir dürfen nicht locker lassen
  • Unsere Kritik traf ins Schwarze

 

Beispiel 3: Zeit ist Geld

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber hier habe ich mich selbst ertappt, dass ich mit diesem Konzept unterwegs bin. Das hat mir viel zu denken gegeben. Sprachlich findet dieses Konzept Ausdruck in Sätzen wie:

  • Dieses Telefonat kostete mich eine ganze Stunde!
  • Wir müssen mit der Ressource Zeit gut haushalten!
  • Wieviel Zeit können wir hier investieren?
  • Ich habe durch die Korrekturen viel Zeit verloren?
  • So können wir jede Menge Zeit gewinnen!
  • Wir müssen unsere Zeit optimal nutzen!
  • Nimm dir die Zeit für die schönen Dinge des Lebens!

Welche Auswirkungen hätte es auf unser Denken, unsere Sprache und folglich auf unser Handeln, wenn wir die Konzepte, die unseren Metaphern zugrunde legen, ändern.

Ich bin mir sicher, wir würden anders durch die Welt gehen und viele positive Dinge bewegen können. 

Ich habe letzte Woche einen Kommunikations-Workshop mit Führungskräften genutzt, um sinnvollere Metaphern für die Themen Konflikte und Verhandlungen zu finden.

Hier sind die Ergebnisse:

 Die Teilnehmer haben sich in Bezug auf das Thema Konflikte für folgende Metapher entschieden:

  • Metapher:

Konflikte sind ein Tanz

  • Assoziationen

Im zweiten Schritt haben die Führungskräfte Assoziationen zusammengetragen, die sie mit dem Thema „Tanz“ verbinden. Hier sind sie: 

  • Miteinander
  • Rhythmus
  • Harmonie
  • Bewegung
  • dynamisch, ausdrucksstark
  • Abfolge, Rahmen
  • Partner, Gemeinschaft
  • Choregrafie

 

  1. Sprachgebrauch
    • Konflikte partnerschaftlich und gemeinsam lösen
    • Konflikte benötigen Energie und geben Kraft und Stärke zurück
    • Konflikte nehmen sich den Raum, den sie brauchen
    • Konflikte haben eine eigene Dynamik, der man folgen kann
    • Konflikte lösen heißt, dass etwas in Bewegung kommt
    • Die Choreografie bietet den Rahme zur Konfliktlösung
    • In Konflikten dürfen alle ihre Meinung zum Ausdruck bringen
    • .... Was fällt Ihnen alles dazu ein?

Lassen Sie uns noch zu unserem zweiten Beispiel kommen, dem Thema Verhandlungen

  1. Metapher

Verhandlungen sind ein Spiel 

  1. Assoziationen
  • Spaß
  • Gemeinsame Zeit
  • Miteinander, Partner
  • Kreativität, Ausprobieren, Experimentieren
  • Regeln, Fairness, Lernerfahrungen
  • Gewinnen
  • Gut verlieren können
  • Lernerfahrung, Reflexion
  • Eintauchen in die eigene Welt, versunken sein 
  1. Sprachgebrauch
  • Austausch auf Augenhöhe
  • Gemeinsam Spaß haben
  • Über Fehler lachen können
  • Dinge leicht nehmen
  • Fairness walten lassen, den anderen gewinnen lassen
  • Lachend lernen
  • ......

 

Unser drittes Thema: Zeit ist Geld

Wenn ich ehrlich bin, hat mich dieses Thema am nachdenklichsten gemacht. Habe ich mich doch selbst ertappt, sehr oft mit diesem Konzept unterwegs zu sein.

Wie wäre es, so habe ich mich gefragt, wen ich hier wie MOMO – das Jugendbuch von Michael Ende kennen Sie sich auch – durch die Welt ginge:

„Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Alle Menschen haben daran teil. Jeder kennt es, aber die wenigsten denken darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bisschen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit. ...Zeit ist Leben und das Leben wohnt im Herzen.“

Ich hatte gerade ein paar Tage Urlaub und habe mir MOMO als Lektüre mitgenommen. Ein wundervolles Buch – auch für Erwachsene - , .das ich auch Ihnen sehr ans Herz legen kann. Wenn Sie mehr zum Thema Metaphern erleben möchten, dann kommen Sie doch am Donnerstag dieser Woche einfach zu unserem Workshop! Alle wichtigen Infos dazu finden Sie hier oder Sie nutzen unser Kontaktformular, um sich direkt zum Workshop anzumelden. 

 

Ganz herzliche Grüße bis dahin 

Ihre

Kathrin Scheel

 

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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