Effectuation - Ziele anders erreichen

Kathrin Scheel

In unserem letzten Blog-Artikel hatten wir sowohl das SMART-Modell als auch das 6-Punkte-Programm zur Zielerreichung vorgestellt.

Im heutigen Beitrag möchten wir Ihnen eine andere Methode vorstellen, den Effectuation-Ansatz.

Zu den wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Unternehmen zählt die Fähigkeit, flexibel auf Neuerungen reagieren zu können. Gleichzeitig muss Flexibilität immer an einem konkreten, übergeordneten Ziel ausgerichtet werden; andernfalls enden fixe Kursänderungen gefährlich schnell im Nirgendwo.

Gefragt ist also eine zielgerichtete Flexibilität und es kommt darauf an, dieses vermeintliche Paradoxon zur Deckung bringen. Wir brauchen eine Zielkultur, die sowohl sicher als auch beweglich ist und den hohen Ansprüchen unserer schnelllebigen Zeit problemlos standhält.

Was ist Effectuation?

Effectuation ist eine von der Kognitionswissenschaftlerin Dr. Saras Sarasvathy zusammengefasste, bahnbrechende empirische Studie mit „Expert Entrepreneurs“.

Auf Grundlage dieser Studie wurde die Methode unternehmerischer Expertise entwickelt. Sarasvathy hat den Unternehmern praktisch beim Denken zugehört und Strategien erfolgreicher Entrepreneure zusammengefasst.

Ausgangsbedingungen waren insbesondere unsichere, sich schnell verändernde äußere Bedingungen. Die Methode wurde zur Grundlage für Start-ups, hält aber zunehmend auch in etablierten Unternehmen Einzug, da aufgrund wachsender Globalisierung und Komplexität in der Wirtschaft ein flexibles Handeln immer wichtiger wird.[1]

Einer der führenden Vertreter des Effectuation-Ansatzes im deutschsprachigen Raum ist Michael Faschingbauer.

Dem linear-kausalen Denken des typischen Managements wird der zyklische Effectuation-Prozess gegenübergestellt. Letztlich geht es in der Praxis darum, situationsabhängig zu entscheiden, welche Art des Denkens und daraus abgeleitet des Handelns gerade angebracht ist.

Wo sind die entscheidenden Unterschiede zwischen der kausalen Logik und dem Effectuation-Prozess?

Bei der kausalen Logik wird ein Ziel bestimmt und dann wird überlegt, wie dieses erreicht werden kann.

Im Effectuation-Prozess wird geschaut, welche Mittel zur Verfügung stehen und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Die zur Verfügung stehenden Mittel setzen sich zusammen aus der Beantwortung der folgenden Fragen:

  • Wer bin ich? Was macht mich als Persönlichkeit aus?
  • Was weiß ich? Über welche Ressourcen und Kompetenzen verfüge ich?
  • Wen kenne ich? Welche Netzwerke/Kontakte habe ich? [2]

Nehmen Sie sich wie immer einen Moment Zeit und beantworten Sie die vorstehenden Fragen bezogen auf Ihr Projekt!

Gegenüber der kausalen Logik wird also nicht, wie in unserem Beitrag der vergangenen Woche, im ersten Schritt das Ziel bestimmt und dann Mittel akquiriert und Wege erarbeitet, wie ich dorthin komme. Stattdessen wird geschaut, was ich alles zur Verfügung habe und was ich mit diesen Mitteln machen kann.

Sehr anschaulich finden wir das von den Effectuation-Entwicklern häufig verwendete Beispiel des Kochens:

Im Sinne der kausalen Logik suche ich mir ein Rezept aus, besorge die Zutaten und koche das Gericht entsprechend den Vorgaben auf dem Rezept.

Beim Effectuation-Ansatz inspiziere ich den Kühlschrank, schaue, was ich alles zur Verfügung habe und koche daraus das Gericht.

In unserem Beitrag der kommenden Woche gibt es mehr zum Thema Effectuation und vor allem, wann ich welche Strategie nutze!

Wir wünsche wie immer viel Freude beim Ausprobieren und stehen für Fragen sehr gerne zur Verfügung!

Ihr zeitsprung-Team

 

Bildnachweis Titelfoto: Andrey Snegirev/Shutterstock.com

[1] www.effectuation.at

[2] Faschingbauer, Michael: Effectuation, Schäffer-Pöschel-Verlag, Stuttgart, 2013, S. 23 f.

 

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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