Divers oder gleich? Lassen Sie bei der Wahl Ihrer Mitarbeiter ruhig auch Ihr Bauchgefühl entscheiden!

Personalentwicklung Juliane Scheel

Diversität in Team - Mitarbeiter in Unternehmen

 

Mit der Frage, wie Sie die richtigen Mitarbeiter finden, hatten wir uns in unserem Beitrag "Wie sieht Ihr Wunschmitarbeiter aus - die Zielgruppenanalyse" vor zwei Wochen befasst.

Ende Oktober bin ich über eine kurze Rubrik im Tagesspiegel gestolpert. Hier hieß es, dass Start-up-Chefs bei der Einstellung neuer Mitarbeiter oft ihr Bauchgefühl entscheiden lassen. Dies würde – so der Hinweis eines befragten Coaches – dazu führen, dass das wichtigste Auswahlkriterium die Sympathie sei.
Der Autor stellt die Hypothese auf, dass, wer uns sympathisch ist, uns auch ähnlich sei. Dies birgt nach seiner Meinung die Gefahr allzu homogener Teams. Gebraucht würden aber Teams mit einer hohen Diversität. Es folgt der Ratschlag, Kompetenzmodelle und Persönlichkeitstest zum Einsatz zu bringen, um Diversität sicherzustellen.
 
Ist das wirklich notwendig?
Um die Antwort vorwegzunehmen: Ich denke nicht.

 

Homogenität in Teams: Gleich und gleich gesellt sich gerne

Ja, an den alten Sprichwörtern ist viel Wahres. Wer uns ähnlich ist, ist uns häufig auch sympathisch. Mir greift jedoch die Logik in dem Zeitungsbeitrag, dass Intuition = Sympathie bedeutet und daraus zwangsläufig eine zu große Homogenität im Team folgt, zu kurz. Allein, wenn wir bei den Sprichwörtern bleiben, gibt es hier auch noch ein zweites:

 

Diversität in Teams: Gegensätze ziehen sich an

Haben nicht auch Sie schon Menschen getroffen, die Ihnen unähnlich und trotzdem sympathisch sind? Ich habe davon eine ganze Menge auch im Freundeskreis. Und ich traue den Start-up-Personalern durchaus zu, dass sie intuitiv – also aufgrund ihrer Erfahrungen – auch ein Gespür dafür haben, wie sie ihr Team sinnvoll um Menschen erweitern, die ganz neue Qualitäten mitbringen. Diversität in Teams ist auch zeitsprung wichtig. Sie ist Voraussetzung für ein gemeinsames Voneinander-Lernen und somit Garant für Entwicklung. Ein jeder bringt sich mit seinen individuellen Stärken und Talenten ein. Auch unser Workshop-Angebot zum Thema interkulturelle Teams zahlt auf das Thema Diversität ein: Die Kunst, alle unter einen Hut zu bekommen - Wie sie interkulturelle Teams erfolgreich führen.

 

So funktioniert Diversität in Teams

Und dennoch: von Diversität nur um der Diversität Willen raten wir ab. Die Mitarbeiter müssen auch ins Unternehmen passen. Es geht dabei um den Cultural fit, also um Fragen wie die Vision des Unternehmens, Aspekte der Identität und Kultur. Hier braucht es ein gutes Miteinander. Um das herauszufiltern, empfehlen wir in unserem eBook Employer Branding einen ganzheitlichen Blick auf Ihr Unternehmen.

Reisen Sie also statt Persönlichkeitstests einmal durch Ihr Unternehmen. Die von Trigon entwickelten 7 Wesenselemente einer Organisation bieten hierfür die ideale Grundlage. Wenn Sie wissen, wer Sie sind, was Sie wollen und wie Sie dies gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern erreichen können, wird Ihre Intuition Ihnen auch sagen, wer in Ihr Team passt.

Los geht´s!

Die 7 Wesenselemente im Spiegel des Employer Branding

Immer wieder machen wir in unserer täglichen Arbeit die Erfahrung, dass davon ausgegangen wird, ein gutes Employer Branding erledige sich allein durch die Erarbeitung eines entsprechenden Maßnahmenkataloges.
Damit ist das Thema jedoch noch lange nicht gegessen. Vielmehr gilt es, einen ganzheitlichen Blick auf Ihr Unternehmen als
Organisation zu werfen. Genau dazu möchten wir Sie im folgenden Schritt einladen.
Als Grundlage hierfür kann das Modell der 7 Wesenselemente nach Glasl/von Sassen dienen1.

Die 7 Wesenselemente nach Glasl

Wir übertragen die einzelnen Wesenselemente nun auf die Prozesse des Employer Branding.
Nehmen Sie sich bitte ein wenig Zeit, die Fragen zu beantworten – entweder allein, in der Geschäftsleitung, im Austausch mit anderen Führungskräften oder mit Ihren Mitarbeitern. Wir sind sicher, dass die Antworten sehr hilfreich sein werden, um Ihren derzeitigen Standort zu bestimmen.Richten Sie die Aufmerksamkeit bei der Bearbeitung auch auf die Dinge, die Sie bereits unternehmen, die also schon im Gange sind.

Wesenselement 1: Die strategische Ausrichtung in Ihrer Firma

Mitarbeiter werden sich zu Ihrem Unternehmen hingezogen fühlen und dort auch gerne bleiben, wenn für sie eine klare Strategie erkennbar ist. Wenn Ihr Team weiß, wohin die Reise gehen soll, wird es auch nicht an der entsprechenden Motivation mangeln. Und motivierte Mitarbeiter sind bekanntlich zufriedene Mitarbeiter.

  • Welche strategische Ausrichtung hat Ihr Unternehmen?
  • Was sind die mittel- und langfristigen Ziele?
  • Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen in fünf Jahren stehen?

Wesenselement 2: Identität zum Unternehmen

Mitarbeiter, die die Werte Ihrer Firmenphilosophie fest vertreten, werden sich mit dem Unternehmen identifizieren und stolz darauf sein, bei Ihnen zu arbeiten. Das ist ein wichtiger Aspekt der Mitarbeiterbindung und wird dazu führen, dass sie Ihr Unternehmen im Bekanntenkreis und auf einschlägigen Portalen weiterempfehlen.

  • Wie stark identifizieren sich Ihre Mitarbeiter derzeit bereits mit Ihrem Unternehmen?
  • Fragen Sie hierzu Ihr Team direkt. Sie können dafür Umfragen, ein Meeting oder persönliche Gespräche nutzen.

Wesenselement 3: Unternehmenskultur als Aushängeschild für Ihre Mitarbeiter

Ihre Unternehmenskultur ist entscheidend für die Attraktivität Ihres Unternehmens und schließt auch den gelebten Führungsstil mit ein. Die Unternehmenskultur ist Ihr Aushängeschild!

  • Wie sehen die Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften aus?
  • Sind neue Ideen und Vorschläge Ihrer Mitarbeiter willkommen?
  • Wie leben Sie Anerkennung und Wertschätzung im Alltag?

Wesenselement 4: Die Organisationsstruktur

Die Struktur umfasst Hierarchien und Aufbauprinzipien der Organisation. Strukturen müssen klar, verständlich und sinnvoll sein. Nur so können sie auch gelebt werden und tragen zu einer höheren Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter bei.

  • Wie ist die Struktur Ihres Unternehmens aufgebaut?
  • Welche Wünsche haben Ihre Mitarbeiter (z.B. flache Hierarchien)?
  • Werden diese Bedürfnisse hinreichend berücksichtigt?

Wesenselement 5: Funktionen - Aufgabenbereich der Mitarbieter definieren

Das Wesenselement der Funktionen umfasst die Bereiche Aufgaben, Verantwortung und Befugnisse. Diese müssen, wenn Sie Mitarbeiter akquirieren und binden wollen, klar definiert sein.

Inwiefern sind Aufgaben, Funktionen und Verantwortlichkeiten für Ihre Mitarbeiter eindeutig beschrieben?

  • Verfügen die Mitarbeiter über die nötigen Kompetenzen, um die Aufgaben gut auszufüllen?
  • Welche Weiterbildungsangebote gibt es?

Wesenselement 6: Abläufe/Prozesse - Die Planung der Kernprozesse im Unternehmen

Bei den Abläufen/Prozessen geht es um die Planung und Umsetzung der Kernprozesse, aber auch um Management- und Entscheidungsprozesse. Gerade in diesem Bereich liegt ein großes Potenzial für mehr Zufriedenheit.

  • Wie zufrieden sind Ihre Mitarbeiter mit den Abläufen/Prozessen in Ihrem Unternehmen?
  • Was läuft bereits reibungslos?
  • Was ist verbesserungswürdig?

Wesenselement 7: Physische Mittel - Die Bedürfnisse der Mitarbeiter beachten

Physische Mittel – hiermit sind die Ausstattung von Räumen, die Bereitstellung von Arbeitsutensilien, der Ort/die Anbindung Ihres Unternehmens usw. gemeint. Dieser Punkt spielt in Bezug auf das Wohlfühlen und damit die Motivation eine große Rolle.

  • Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern bereits jetzt?
  • Was ist im Moment noch nicht so, wie Sie und Ihre Mitarbeiter es sich wünschen?

 

Fragen Sie Ihre Mitarbeiter

Nur durch die Einbeziehung Ihres Teams vom ersten Tag an wird Ihnen ein erfolgreicher Employer Branding Prozess gelingen. Fragen Sie also Ihre Mitarbeiter – Wir stellen Ihnen unseren Fragebogen gerne online zur Verfügung und Sie können diesen entsprechend Ihren Bedürfnissen anpassen.

Download: Fragebogen Arbeitgeberattraktivität

Beispiel: Identifikation für Integrität bei DM

Es ist besonders wichtig, dass Ihre Mitarbeiter sich mit den Werten, dem Leitbild und den Zielen Ihres Unternehmens identifizieren können, damit sie diese sowohl nach innen als auch nach außen authentisch vertreten. Identifikation entsteht nicht, indem sich die Mitarbeiter zu einem Event Firmen-T-Shirts anziehen und ein Gruppenfoto machen. Vielmehr geht es darum, Mitarbeiter aktiv in Prozesse einzubeziehen, die die Mission und die Vision des Unternehmens prägen.

Oft wird ein Leitbild von der Geschäftsführung vorgegeben, das von den Mitarbeiter selbst aber nicht wirklich gelebt, manchmal gar nicht richtig verstanden wird. Wie können Sie dem entgegenwirken?
Der Drogeriemarkt dm hat hier eine Lösung gefunden. In einem gemeinsamen Prozess mit den Mitarbeitern wurde der Slogan: „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein.“ entwickelt; übrigens angelehnt an Goethes: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein“.

Dahinter steckt erst einmal viel Arbeit, aber die Mühe lohnt sich. Und der Schlüssel liegt wie so oft in der Zusammenarbeit: Durch die gemeinsame Erarbeitung eines Leitbildes oder Leitspruches können Sie dazu beitragen, dass Ihre Mitarbeiter sich wirklich mit Ihrem Unternehmen identifizieren.

 

Auf einen Blick! - Zusammenfassung

Werfen Sie stets einen ganzheitlichen Blick auf Ihr Unternehmen!

Führen Sie sich vor Augen, was Sie in Bezug auf Ihr Employer Branding schon alles
erreicht haben.

  • Machen Sie diese Erfolge auch für die Mitarbeiter transparent – sie gehen sonst im Alltag schnell unter!
  • Und das Wichtigste: Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter von Anfang an in die Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke ein – sie kennen ihre eigenen Bedürfnisse am besten!

 

Divers oder gleich – das war unsere Ausgangsfrage. Wir denken, Sie brauchen wie immer ein gutes Maß von Beidem. Und: Verlassen Sie sich ganz unbesorgt auf Ihre Intuition. Sie ist ein sehr wertvoller Wegbebleiter!

 
Herzlichst Ihre
Kathrin Scheel

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Juliane Scheel

Juliane Scheel ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin (M.A. Interkulturelle Kommunikation) und arbeitet als aktive Texterin und Lektorin sowohl im wirtschaftilchen als auch im akademischen Bereich. Zudem gibt sie Seminare und Schreibberatungen und ist damit zeitsprungs Fachfrau rund um die Themen Text und Kommunikation.

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