Digitalisierung bei Banken: 3 konkrete Innovationen in klassischen Bankprozessen

Innovation Dominic Böhmer

Die Digitalisierung bei Banken schreitet voran. Drei konkrete Beispiele zeigen, wie sich der digitale Wandel auf Banken ganz greifbar auswirkt.

Dass der digitale Wandel auch in der Bankenbranche ankommt, ist mittlerweile in aller Munde. Doch es ist nicht alles App, was der digitale Wandel mit sich bringt. Auch klassische Bankprozesse erleben mittlerweile Innovationen aus der digitalen Welt. Nachstehend finden Sie hierfür drei Beispiele:

Robo Advisors: Hinter dem futuristischen Begriff verbergen sich Fintechs, die automatisierte Computermodelle nutzen, um Anlageportfolien zu erstellen und zu managen. Hierzu kombinieren sie Angaben über Anlageziele, das Einkommen und die steuerliche Situation eines Kunden. Wer die Robo Advisors als Randthema im Finanzdienstleistungssektor abtut, verkennt vermutlich die Lage. Klassische Anbieter rüsten sich und kaufen sich Robo Advisors. So gerade geschehen: Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hat FutureAdvisor übernommen. Momentan konzentrieren sich diese Fintechs vorrangig noch auf das Management großer Portfolien. Aber ließe sich diese Technologie nicht auch übertragen auf die ganzheitliche Beratung von Lieschen Müller, von der über Einkommen und Vermögen hinaus ein Social Profile erstellt wird und für die dann ganz individuelle Handlungsempfehlungen und Produktvorschläge entwickelt werden?

Social Scoring: Bei der Vergabe von Krediten und bei der Lieferung auf Rechnung oder per Lastschrift kommt es darauf an, die schwarzen Schafe frühzeitig zu erkennen. Hierzu bedienen sich Banken und Unternehmen häufig Auskunfteien wie Schufa, Bürgel oder ähnlichen. Big Data bringt hier neuen Wind in das Geschäft. Konsumenten hinterlassen in sozialen Medien jede Menge Daten: über die eigene Person, den beruflichen Werdegang, das soziale Umfeld und die eigenen Vorlieben. Viele dieser Informationen geben Anhaltspunkte, wie es um die Kreditwürdigkeit des Betreffenden bestellt ist. Kennt er oder sie vor allem Akademiker? Liked sie oder er viele Seiten von teuren Konsumgütermarken? Dann deutet vieles darauf hin, dass sich Banken oder Unternehmen bei diesem Kunden weniger Sorgen um ihr Geld machen müssen.
Ein Unternehmen, das sein Geld mit Social Scoring verdient, ist kreditech. Aber auch die klassischen Anbieter schlafen nicht und entwickeln ihre Verfahren in diese Richtung weiter.

Peer-to-Peer-Payments: Wenn lange Zeit eines sicher war, dann, dass die Banken Herr des Zahlungsverkehrs bleiben würden. Und dann kamen die Anbieter von Peer-to-Peer-Payments. Gemeint sind damit Start-Ups wie Cringle, Lendstar oder Elopay, die Geldtransfer kleiner Beträge von Handy zu Handy ermöglichen. Doch ganz ohne die etablierten  Banken geht es dann doch nicht. So arbeitet Cringle mit der Deutschen Kreditbank (DKB) zusammen, Lendstar mit Comdirect. Was aber spannend bleibt: Als Abwickler dieser Geldtransfers erhalten diese Unternehmen auch die Zahlungsdaten ihrer Kunden – und damit wertvolle Informationen, die sich versilbern lassen. Immerhin nutzen etablierte Banken solche Daten schon, um den Kunden eine Haushaltsbuch-App und damit eine Übersicht und Kategorisierung der eigenen Ausgaben zu bieten. Aber warum gehen Banken nicht Kooperationen mit großen Handelsunternehmen ein und bieten einen Dienst analog des „Andere Kunden kauften auch …“-Marketings von Amazon an nach dem Motto: „Wenn Sie das nächste Mal eine Druckerpatrone benötigen, kaufen Sie doch bei unserem Partner XYZ. Sie sparen 20%.“ Dieser Dienst ließe sich auch mit dem deutschen Bundesdatenschutzgesetz vereinen, wenn die Kunden den Mehrwert des Dienstes für sich erkennen und der Datennutzung zustimmen.

Eines ist nach diesen drei Beispielen wieder einmal deutlich geworden: es bleibt spannend, wo die digitale Reise die Banken noch hinführt. Ganz sicher wird sie zu einem drastischen Anstieg des Innovationsgrades in deutschen Geldhäusern führen!

 

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Hüllemann, M. (2015). Kredit? I like!. In: t3n, Ausgabe 41 (04/2015)
  • Göpfert, Y (2015). Bezahlen in 2 Sekunden. In: t3n, Ausgabe 41 (04/2015)
  • Börsen-Zeitung (2015). BlackRock stößt ins Robo-Finance-Geschäft vor. In: Börsen-Zeitung vom 28.08.2015

 

 

Bildnachweis Titelfoto: Tonis Pan/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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