Die Kraft der Vision

Strategie & Innovation Dominic Böhmer

Geht es Ihnen auch so? Mit Visionen tue ich mich immer ein wenig schwer. Auf der einen Seite ist mir klar, dass es ohne ein Ziel vor Augen nicht geht. Auf der anderen Seite scheue ich den Zeit- und Diskussionsaufwand für rundgebügelte Marketing-Slogans, die im Alltag wenig Impulse entfalten. Meine Frage: Wie lässt sich eine Diskussion über die Unternehmensvision pragmatisch anstoßen?

Kennzeichen guter Visionen

Die häufigsten Fehler bei Visionen sind:

  • zu grob, zu beliebig
  • langfristig nicht realistisch

Als Anforderungen an ein gutes Zielbild für Unternehmen sind deshalb zu nennen:

  • Klar umrissen
  • Langfristig orientiert
  • Ausformuliert
  • Bringt in wenigen Worten den Sinn des Unternehmens auf den Punkt
  • Enthält eine Aussage zu Positionierung und Abgrenzung zu anderen
  • Beschreibt den Zweck, den das Unternehmen verfolgt?
  • Und beantwortet auch die Frage, wie mit Unsicherheit, Veränderung und entsprechenden Anpassungsprozessen umgegangen wird

Wirkung einer guten Unternehmensvision

„Unternehmen, die eine zukunftsfähige Vision entwickelt haben und diese umsetzen, nutzen ihre Ressourcen effektiver und zielgerichteter; ihre Marktpositionierung ist geschickter und sie erweisen sich in turbulenten Unternehmenswelten als weniger anfällig und überlebensfähiger.“

John Kotter schreibt in seinem Bestseller „Leading Change“: „Ohne geeignete Vision kann ein Veränderungsprozess leicht abdriften in eine Liste verwirrender, unzusammenhängender und zeitraubender Projekte, die entweder in die falsche Richtung oder überhaupt nirgendwo hin führen.“

Wie kommen wir zu einer wirkungsvollen Vision?

Wenn es jetzt darum geht, eine wirkungsvolle Vision zu erarbeiten, dann können – auch im Team – folgende Gedankenspiele helfen, um ein einprägsames Zielbild und neue Gedanken zu entwickeln.

Überlegen Sie mal, was sich Ihr Unternehmen bisher erarbeitet hat, worauf es stolz sein kann und was es zu bewahren gilt.

Und dann stellen Sie sich doch mal vor, Sie seien 10 Jahre weiter und Ihr Unternehmen hätte alle Ziele erreicht und würde optimal dastehen. Stellen Sie sich mal vor, in 10 Jahren würde jemand einen Film über Ihr erfolgreiches Unternehmen drehen. Und diesen Film schauen Sie sich gerade an – auf einer großen Leinwand vor Ihnen. Versetzen Sie sich in den Film hinein und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Umwelt: Wo steht Ihr Unternehmen? Wie sieht das Gebäude aus – außen und innen ? Wie die Umgebung? Welche Leute gehen dort ein und aus?
  • Aktivitäten: Was macht Ihr Unternehmen? Was bietet es an? Wie geht es mit Kunden um? Wie mit Mitarbeitern?
  • Fähigkeiten: Was kann Ihr Unternehmen besonders gut? Wie wird es von Ihren Kunden wahrgenommen? Wie sprechen Kunden über Ihr Unternehmen? Welche Kunden schwören auf Ihr Unternehmen?
  • Werte: Was ist Management und Mitarbeitern wichtig an dem Unternehmen und dessen Arbeit? Was ist den Kunden wichtig mit Blick auf Image und Verhalten Ihres Unternehmens?
  • Identität: Wofür steht Ihr Unternehmen? Wenn die Menschen von Ihrem Unternehmen sprechen, was verbinden sie dann mit Ihrem Unternehmen (z.B. Apple – modernes Design, einfache Bedienbarkeit)? Warum kommen die Kunden zu Ihnen und gehen nicht zu anderen Anbietern?
  • Zugehörigkeit: Wenn Ihr Unternehmen mit anderen Unternehmen, Gruppierungen oder Strömungen verbunden wäre, welche wären das dann?
  • Sinn: Warum gibt es Ihr Unternehmen? Welchen Sinn erfüllt es in dieser Welt?

Natürlich sind Sie damit noch nicht am Ziel. Es gilt, die Erkenntnisse zu priorisieren, zu konkretisieren,  mit der strategischen Planung verknüpfen usw.. Aber sie haben einen Anfang gemacht – und darauf kommt es an! Denn: Visionsarbeit ist immer nur der Beginn einer Reise.

 

Weitere Blog-Posts zum Thema „Vision“:

Quellen und weiterführende Hinweise

  • Özdemir, H. (2012). Die Vision als Ausgangspunkt für werteorientierte Unternehmensführung. Zeitschrift für Organisationsentwicklung (ZOE), 4/2012, 4-9
  • Kotter, J. (2012). Leading Change. Harvard Business Review Press

 

Bildnachweis Titelfoto: Sergey Nivens/shutterstock.com

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Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

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