Corporate Happiness® – Glücklichsein als Erfolgsmotor für Unternehmen

Strategie & Innovation Kathrin Scheel

Corporate Happiness

Wer wünscht sich das nicht: selbst glücklich zu sein und glückliche Menschen im Arbeitsalltag um sich zu haben. Hirngespinste oder machbar? Das ist die Frage, der sich unsere Partnerin Josefin Beyer im heutigen Blogbeitrag widmet – mit praktischen Übungen, wie Sie zu mehr Glück finden können.

Corporate Happiness®

Jeder Mensch strebt nach Glück und innerer Zufriedenheit. Doch nicht selten scheint bei uns das persönliche Glück an (berufliche) Erfolge geknüpft zu sein. Schneller, weiter, höher – alles ist auf Leistung getrimmt. Rasch rückt so das Glücklichsein in weite Ferne. Heutige Depressionsraten sind im Vergleich zu den 1960er Jahren um das zehnfache gestiegen, Menschen leiden häufiger an Burn-Outs und fühlen sich durch den wachsenden Druck zunehmend überfordert und ausgeliefert. Viele Fehltage, hohe Fluktuation, geringere Leistungsfähigkeit und finanzielle Einbußen sind nur einige Folgen unzufriedener Mitarbeiter – Eine Entwicklung, die immer mehr Unternehmen dazu veranlasst, grundlegend umzudenken.

In diesem Blogbeitrag wollen wir daher der Frage nachgehen, wie eine neue Unternehmenskultur, die sich stärker am Glück aller orientiert, dabei helfen kann, persönliche und berufliche Erfüllung besser in Einklang zu bringen – und zudem den Unternehmenserfolg pusht.

 

Eine auf Glück basierte Unternehmenskultur: Esoterischer Stumpfsinn oder wissenschaftlich fundierte Win-Win-Strategie?

Glück – wie der Begriff in diesem Beitrag gebraucht wird – bezeichnet allgemein ein subjektives Wohlbefinden, das Gefühl im „Flow“ zu sein oder in seinem Tun aufzugehen. Der Markt ist mit angeblichen Glücksrezepten und Ratgebern überflutet. Jenseits dessen hat sich auch die Wissenschaft dem Thema zugewandt. Seit den 1990ern beschäftigt sich die Positive Psychologie – im Gegensatz zur traditionellen defizitorientierten Psychologie – besonders in den USA mit der Erforschung von Aspekten, die den Menschen stärken, das Wohlbefinden steigern und das Leben lebenswerter machen. Eine der bedeutendsten Erkenntnisse in Bezug auf Unternehmenspotentiale ist dabei diese: Erfolgreiche Menschen sind nicht glücklicher, sondern glückliche Menschen sind erfolgreicher. Weitere wichtige wissenschaftliche Ergebnisse liefert die aktuelle Hirnforschung. Das Gehirn ist nicht wie ursprünglich angenommen ein Organ, das bis zu einem gewissen Alter ausgewachsen und danach unveränderbar ist. Stattdessen kann das Gehirn ein Leben lang trainiert werden. Und somit gilt auch: Wir können das Glücklichsein erlernen.

Im deutschsprachigen Raum hat sich insbesondere Dr. Oliver Haas, Begründer von Corporate Happiness®, darauf spezialisiert, die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Positiven Psychologie und der Hirnforschung auf die Arbeitswelt zu übertragen. Laut Haas bietet Corporate Happiness® Entscheidungsträgern ein ganzheitliches Führungssystem. Eine vom Glück des Einzelnen geprägte Unternehmenskultur wirkt sich dabei auf alle Beteiligten positiv aus – von Vorgesetzten über die Mitarbeiter und Kunden bis hin zu den Lieferanten. Der Return on Investment wird dabei spürbar in gesteigerter Leistungsfähigkeit, mehr Spaß, höherer Produktivität, weniger Fluktuation, weniger Krankenstand, gesteigertem Employer Branding, geringeren Personalkosten, Zeitersparnis, höherem Profit und letztendlich auch in einer  Steigerung des Unternehmenswertes. Klingt gut? Ja, erfordert in der Praxis aber auch viel Umdenken und Einsatz.

 

Das individuelle Glück als Basis der Corporate Happiness®

Für das persönliche Glück ist zunächst jeder Mensch selbst verantwortlich. Der Grundstein liegt also in den eigenen Veränderungen, bevor sich Glück auf ganze Teams bzw. Unternehmen ausweiten lässt. Folgende Faktoren können helfen, um das Gehirn auf Happiness zu trainieren und langfristig glücklich zu sein.

  1. Eine positive innere Haltung
  2. Bedeutsamkeit bzw. Sinn im Tun
  3. Die eigenen Stärken identifizieren und einsetzen
  4. Sich und andere Menschen begeistern
  5. Körper und Geist in Einklang bringen (Energiemanagement)
  6. Wertschätzende Partnerschaften führen

Unsere Übungsanleitungen können Ihnen helfen, glücklicher zu werden

 

Corporate Happiness® – Übung 1:

Rituale und die Pflege von Gewohnheiten sind gute Möglichkeiten, das Gehirn zu formen. Rund dreißig Tage brauchen wir laut Wissenschaftlern, um uns eine neue Gewohnheit langfristig anzutrainieren. Schreiben Sie beispielsweise jeden Abend 2 noch so kleine Dinge auf, für die Sie an diesem Tag dankbar sind. Mit dieser Übung lernen Sie positive Ereignisse viel bewusster wahrzunehmen und Ihre innere positive Haltung zu stärken.

 

Corporate Happiness® – Übung 2:

Rufen Sie sich ein Erlebnis ins Gedächtnis bei dem Sie versagt haben. Interpretieren Sie das Ergebnis einmal langandauernd und ausufernd auf andere Lebensbereiche. Interpretieren Sie nun das gleiche Erlebnis als temporär und spezifisch. Was können Sie daraus lernen?

 

Corporate Happiness® –Übung 3:

Erstellen Sie 3 Listen: eine mit Ihren Stärken, eine mit Tätigkeiten, die Ihnen Spaß machen, und eine Liste von allem, was Ihnen bedeutsam ist im Leben. Suchen Sie in der Schnittmenge Ihre Tätigkeitsbestimmung. Auf diese Weise schaffen Sie ein eigenes, selbstbestimmtes Ziel, bei dem Sie nicht nur den „Gipfelsturm“ (das Erreichen des Ziels), sondern vor allem die „Wanderung“ (den Sinn im Tun) anstreben.

Was können Führungskräfte für das allgemeine Glück im Unternehmen tun?

Studien im Rahmen der Hirnforschung haben ergeben, dass äußere Veränderungen wie Gehaltserhöhung oder Aufstieg nur kurzfristig die innere Zufriedenheit beeinflusst, langfristig jedoch keinen positiven Effekt auf das menschliche Verhalten hat. Stattdessen muss an der Haltung des Menschen angesetzt werden. Dabei steht die Schaffung idealer Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Nachfolgend finden Sie einige Bausteine, wie es Führungskräften gelingen kann, Mitarbeiter in die Aufwärtsspirale der Corporate Happiness® zu „locken“:

 

  1. Eine positive innere Haltung fördern:
  • Dankbarkeit und
  • Großzügigkeit im Arbeitsalltag leben

 

  1. Bedeutsamkeit bzw. Sinn im Tun fördern:
  • gemeinsame Zielvereinbarungen erarbeiten
  • Selbstverwirklichung der Mitarbeiter unterstützen
  • gemeinsam eine Vision erarbeiten und integrieren

 

  1. Stärken der Mitarbeiter fördern:
  • individuelle Stärken bewusst wahrnehmen und einsetzen lassen
  • Teamstärken fokussieren, um Potentiale zu entfalten
  • Herausforderungen anbieten

 

  1. Begeisterung fördern:
  • Spaß im Unternehmenskontext zulassen
  • und fördern

 

  1. Ein positives Energiemanagement fördern:
  • Raum für Erholung schaffen, z.B. alle 90 Minuten 15 Minuten Pause
  • Sport und gesunde Ernährung für ein hohes Energielevel fördern
  • gegebenenfalls eine neue Zeitkultur entwickeln

 

  1. Wertschätzende Partnerschaften führen:
  • aktiv-konstruktive Kommunikation praktizieren
  • Konfliktbewältigung üben
  • wertschätzende, einladende Gesprächsführung umsetzen
  • Fehler zulassen und offen ansprechen (Motto: „learn to fail or fail to learn“)

 

Corporate Happiness® Übung 4:

Erlernen und üben Sie die Kunst des Lobens, indem Sie jeden Tag eine positive Bemerkung zu jemandem machen. Sie können die Übung auch umdrehen und sich darin versuchen, negative Äußerungen bewusst wegzulassen.

 

Corporate Happiness® Übung 5:

Beobachten Sie sich in Ihrer nächsten Arbeitswoche in Bezug auf folgende Fragestellungen bewusst und machen Sie sich Notizen:

  • Auf welche Weise integriere ich Spaß- und Begeisterungsfaktoren im Berufsalltag?
  • Wie kann ich mögliche Ressourcen bei den anderen Mitarbeitern freisetzen?
  • Wie reagiere ich und die Teammitglieder, wenn jemand einen Fehler macht?

 

Corporate Happiness® Übung 6:

Entwickeln bzw. überarbeiten Sie Ihr Leitbild unter Einbezug der Mitarbeiter und leben Sie es in Ihrem Unternehmen. Ein Leitbild besteht aus einer Mission, einer Vision und Werten. Darauf sollten Sie bei der Erstellung eines Leitbildes achten:

  • Mission: Was ist unser Auftrag / unsere zeitlose Daseinsberechtigung? Warum existieren wir als Unternehmen? Wichtig ist das emotionale Hinterfragen, nicht die reine Produktaufzählung.
  • Vision: Wo wollen wir hin? Was ist unser großes Ziel für die nächsten Jahre? Wichtig ist eine ambitionierte, klare und einfache Formulierung, denn sie stellt die Kraftquelle für alle Mitarbeiter dar und gibt einen gemeinsamen Sinn für ihr Handeln.
  • Werte: Wie wollen wir uns untereinander verhalten, damit die gemeinsamen Ziele erreicht werden können? Werte beschreiben die gewünschte Kultur des Miteinanders im Unternehmen. Dabei ist es wichtig, diese spezifisch und „in der Sprache der Mitarbeiter“ zu formulieren

Tipp:
Überprüfen Sie die Wirkung Ihres Leitbildes, indem Sie Mitarbeiter bitten, anhand von 3 Situationen ihres Arbeitsalltags zu beschreiben, wie sie die Werte konkret leben.

 

Grenzen der Positiven Psychologie

Sowohl die Positive Psychologie als auch die Gehirnforschung geben aufschlussreiche Erkenntnisse, die uns enthusiastisch stimmen. Doch nicht alles ist veränderbar. Laut dem derzeitigen Stand der Forschung sind etwa 50% unseres Glücksgefühls in unseren Genen verankert, weitere 10% von Umwelteinflüssen bestimmt und die verbleibenden 40% von uns selbst beeinflussbar. „Nur 40%?“, fragt der Pessimist in uns. „Immerhin“, sagt die positive innere Haltung. Denn genau diese 40% können Sie erfolgreich für sich und Ihr Unternehmen nutzen. Machen Sie den entscheidenden Sprung in Richtung Glück.

 

 

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Quellen und weiterführende Hinweise: Haas, Oliver (2015): Corporate Happiness® als Führungssystem. Glückliche Menschen leisten gerne mehr. 2. neu bearb. u. wesentl. erw. Ausg. Berlin.

Corporate Happiness® ist eine eingetragene Marke von http://corporate-happiness.de

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Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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