So motivieren Sie Ihre Mitarbeiter sofort und dauerhaft – die besten Strategien mit und ohne Geld

Kathrin Scheel

Kurze Frage vorab: Wie oft in Ihrem Leben haben Sie sich schon ganz fest etwas vorgenommen? Zum Beispiel, ab jetzt jeden Tag eine halbe Stunde joggen zu gehen. Sie kaufen sich also ein paar schicke neue Laufschuhe mit der neuesten Air-Technologie und ein dazu passendes ultraleichtes Funktionsoutfit und fühlen sich jetzt nicht nur professionell ausgerüstet, sondern vor allem auch hochmotiviert. Am nächsten Tag springen Sie dann auch voller Vorfreude in Ihr neues Outift und rennen los. Am übernächsten Tag fällt es Ihnen schon ein bisschen schwerer, aber weil Sie es sich so fest vorgenommen hatten, seufzen Sie nur kurz, schmeißen sich dann tapfer wieder in Ihre Sportklamotten und traben los. Und dann kommt Tag 3. Und Tag 3 ist tückisch. Denn jetzt schwirren Ihnen die ersten Entschuldigungen durch den Kopf: Jetzt waren Sie ja auch schon zweimal, immerhin. Ist es denn eigentlich überhaupt so gut, gleich von Null auf Hundert zu starten? Oder sollten Sie Ihrem Körper nicht auch mal eine kleine Auszeit von der neuen Anstrengung gönnen? Ja, das sollten Sie vielleicht tun. Eine Auszeit. Nur ein einziger Tag Pause! Dann geht’s wieder los. Ganz bestimmt …

Und wenn Sie nicht zu den hochdisziplinierten Menschen unter uns gehören, dann haben Sie genau jetzt, an Tag 3, das Ende Ihrer großen Joggingkarriere eingeläutet.

Nun, wenn Sie sich in dieser Geschichte irgendwie wiederfinden, dann lassen Sie sich vorab gesagt sein: Sie sind nicht allein! Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, zu behaupten, dass wir alle es kennen, dass unsere Motivation genauso schnell wieder nachlässt wie sie entfacht war. Und zwar nicht nur im privaten, sondern vor allem auch im beruflichen Bereich.

 

Materielle und immaterielle Anreize in der Arbeitswelt

Abstrahieren wir das Joggingbeispiel mal, dann ist Ihr schickes Laufoutfit ein materieller Anreiz. Das gute Gefühl, etwas für die eigene Gesundheit zu tun, vielleicht auch ein paar Kilos zu verlieren, ist ein immaterieller Anreiz. Beide zusammen sind die Grundlage für Ihre Motivation und beide Anreize finden sich auch im Unternehmenskontext wieder und spielen vor allem im Employer Branding eine ganz ausschlaggebende Rolle! Denn der Reiz muss attraktiv genug sein, um eine intrinsische Motivation zu hervorzurufen und vor allem auch langfristig aufrecht zu halten. Dabei unterscheiden wir wie gesagt materielle und immaterielle Anreize.

 

Welche Rolle spielen materielle Anreize?

Fest steht: Angemessene Entlohnung ist die Basis von Mitarbeiterzufriedenheit und damit der Mitarbeiterbindung. Und die Mitarbeiterbindung wiederum ist eines der großen Ziele jeder Employer Branding-Strategie, denn gut gebundene Mitarbeiter arbeiten motiviert, lösungsorientiert und mit dem Blick auf den Unternehmenserfolg. Dies zeigen auch die Zahlen des HR-Reports der Hays Group 2015/16: Mit 49 % liegt eine marktgerechte Entlohnung an 3. Stelle der wichtigsten Bindungsfaktoren. Und gleichzeitig zeigen viele Studien, dass materielle Anreize nachhaltig zur Motivationssteigerung keinen Erfolg zeigen. Wie beim Joggen also: Früher oder später reicht das Outfit alleine nicht mehr aus, um das tägliche Joggen wirklich zur Gewohnheit werden zu lassen. Materielle Anreize haben also eher einen Anstoßeffekt, weniger ein Durchhaltepotenzial. Eine Gehaltserhöhung wird bei Ihren Mitarbeitern damit einen ähnlichen Effekt haben: Es ist ein Motivationsbooster,  ein Anschubser, ein optimaler Start. Soll Ihr Mitarbeiter aber auch langfristig motiviert arbeiten, brauchen Sie noch andere Strategien.

 Und hier ist die gute Nachricht: Es sind die immateriellen Anreize, die das Feuer am Lodern halten und die meisten davon kosten Sie nicht einen einzigen Cent, sondern lediglich Achtsamkeit und starke Werte.

 

Zwischen Geld und Wertschätzung: Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter mit der richtigen Balance

Versuchen Sie also immer, eine Mischung aus materiellen und immateriellen Anreizen zu schaffen. Hier finden Sie ein paar Anregungen:

Materielle Anreize

Immaterielle Anreize

  • Gewinnbeteiligung
  • Lohnerhöhung
  • Versicherungsleistung
  • Gutscheine
  • Mitarbeiterrabatt
  • Diensttelefon/-wagen
  • Werkswohnung
  • Wertschätzung
  • Sinnhaftigkeit der Arbeit
  • Führungsstil
  • Betriebsklima
  • Weiterbildungsangebote
  • Vertrauen und Freiräume
  • Flexible Arbeitszeiten

 

Balance heißt auch: Gleichberechtigung!

Fast nichts ist so giftig für das Unternehmensklima, wie das Gefühl, weniger wertgeschätzt zu werden als die Kollegin. Achten Sie daher gerade bei der Anreizverteilung IMMER auf Gerechtigkeit. Überlegen Sie sich transparente Regelungen, wann wer welche Zuschüsse bekommt und führen Sie gegebenenfalls Buch darüber, um den Überblick nicht zu verlieren. Achten Sie außerdem unbedingt darauf, dass alle Mitarbeiter die gleichen Chancen haben und kein Konkurrenzkampf untereinander entsteht – das wäre kontraproduktiv.

 

Denken Sie nicht an sich, denken Sie an Ihre Mitarbeiter!

Um zu unserem Ausgangsbeispiel zu kommen: Vielleicht wollen Ihre Mitarbeiter ja gar nicht joggen gehen,  sondern viel lieber Kung Fu lernen? Was dann? Dann brauchen sie natürlich keine High-Tech-Laufschuhe, sondern einen Kunf Fu Stab. Und im Unternehmen? Greift dasselbe Prinzip:

Anreize können Mitarbeiter nur dann wirklich motivieren, wenn sie auch auf deren Bedürfnisse abzielen. Es bringt also nichts, einem Angestellten eine an Leistung gekoppelte Bonuszahlung in Aussicht zu stellen, wenn seine Hauptmotivation ist, seine Altersvorsorge zu sichern. Besser wären hier zum Beispiel Zuschüsse zu Versicherungen oder Angebote zur Gesundheitsvorsorge. Andersherum ist für jemanden, der in erster Linie Karriere machen will, eine Beförderung oder Weiterbildung eine bessere Motivation als ein Zuschuss zur Versicherung.

Halten wir also fest: Die Kunst der effektiven Anreizgestaltung ist es, sich über die Bedürfnisse der Mitarbeiter im Klaren zu sein. Das Ziel auf Arbeitgeberseite, nämlich die Zufriedenheit und Produktivität des Mitarbeiters, muss in Einklang mit den Zielen der Angestellten selbst gebracht werden.

Versetzen Sie sich dazu in Ihre Arbeitnehmer oder noch besser: Fragen Sie sie direkt!

 

So finden Sie die passenden Anreize

Durchlaufen Sie einfach die folgenden 3 Schritte:

  1. Welche Anreize gibt es bereits in Ihrem Unternehmen?
  2. Wie lange gibt es die schon und wie gut wirken sie noch?
  3. Was können Sie verbessern, stärken oder neu hinzunehmen?

Versuchen Sie hierzu einmal die umgekehrte Denkweise. Was würde Ihre Mitarbeiter am meisten demotivieren? Machen Sie ein Brainstorming zu dieser Frage und schreiben Sie alle Ideen auf.

Hier ein Beispiel:

„Ich gebe meinen Mitarbeitern keine Rückmeldung mehr zu ihren Leistungen“

Überlegen Sie nun, wie Sie Mitarbeitern momentan Feedback geben.

Machen Sie das regelmäßig? Wünschen sich Ihre Mitarbeiter in dem Punkt mehr? Wie können Sie sicherstellen, dass in Zukunft regelmäßig Feedback gegeben wird? Und wie wollen Sie Feedback geben?

Gehen Sie diese Gedanken mit all Ihren Ideen durch und lassen Sie auch Ihre Mitarbeiter dieses Brainstorming durchführen – Sie wissen: Einbeziehung Ihrer Mitarbeiter ist das A & O einer arbeitnehmerzentrierten Unternehmenskultur.

 

Viel Spaß beim Ausprobieren! Und nicht vergessen: Machen Sie den entscheidenden Sprung!

Herzlichst
Ihre Kathrin Scheel

Quellen: 

Nowka, M. (2013). Mitarbeitermotivation durch Bonus- und Anreizsysteme: Neurowissenschaftlche Erkenntnisse zum Erfolg von individueller Anreizgestaltung. Diplomica Verlag; Eilers, S., Möckel, K., Rump, J., Schnabel,F. (2015). HR-Report 2015/2016 Schwerpunkt Unternehmenskultur. Hrsg: Hays AG Institut für Beschäftigung und Employability IBE.

Keinen Blogbeitrag mehr verpassen

Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

Zurück

Kommentare