frag zeitsprung #11: Agiles Employer Branding oder: Praktische Tipps für die Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke

Personal Stefanie Witt

Frag Zeitsprung - Reihe von zeitsprung - Fragen an Kathrin Scheel

 

An jedem ersten Montag des Monats beantworten wir Ihre Fragen rund ums Unternehmen. Ob es um Führung, Kommunikation, Motivation, Neugier & Innovation oder um Employer Branding geht – Sie schicken uns Ihre Fragen und wir greifen sie in unserem Blog auf. Schicken Sie uns Ihre brennende Frage an info@zeitsprung-c2.de

Früher war alles besser!

Immer wieder werden wir mit dem Thema „Wie finde ich gute Mitarbeiter?“ gefragt oder besser gesagt konfrontiert. Denn meist sind es keine Fragen sondern Klagen, die sich so anhören:

Es gibt keine gut ausgebildeten, engagierten Mitarbeiter mehr“ oder „Früher konnten wir unter einer Vielzahl von Bewerbern die besten auswählen, heute müssen wir nehmen, was wir bekommen.“

Diese Erfahrungen decken sich mit Studienergebnissen zum demografischen Wandel und Fachkräftemangel.

Dennoch: Sie können etwas tun, indem Sie sich zum TOP-Arbeitgeber entwickeln. Große Unternehmen sind hier Vorreiter. Ja, werden Sie sagen, die verfügen auch über das entsprechende Potenzial – sowohl materiell als auch personell. Das können wir als kleines oder mittelständisches Unternehmen gar nicht leisten.

Damit haben Sie erst einmal Recht. Da Ihnen das Problem jedoch erhalten bleibt, kommen Sie nicht umhin, Lösungen zu finden.

Ein agiles Herangehen an das Thema ist aus unserer Sicht ein möglicher Schritt in die richtige Richtung.

 

Was macht agiles Arbeiten aus und welche Vorteile bieten agile Ansätze für die Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke?

Agilität – was ist das eigentlich?

Nur ein neuer Zug, auf den jetzt alle aufspringen oder das Zaubermittel für jegliche Art von Problemen? Weder noch, sagen wir. Aber es gibt aus unserer Sicht Ansätze in den agilen Methoden, die Sie gut für Ihr Employer Branding nutzen können.

Angemerkt sei, dass es uns an dieser Stelle nicht darum geht, einen Fachartikel über agile Methoden zu schreiben. Das Thema ist zu komplex, als dass es in einen Blogbeitrag passen würde. Wir denken aber, dass agiles Denken sowie einige Vorgehensweisen auch für agile „Laien“ praktikabel sind.  

 

Agiles Projektmanagement – woher kommt das eigentlich?

Lassen Sie uns mit einem kurzen Ausflug in die Entwicklung des agilen Projektmanagements starten: Zu Beginn unseres Jahrtausends haben Ken Beck und andere Softwareentwickler das sogenannte Agile Manifest entwickelt. Hintergrund war, dass im Prozess der Entwicklung von Softwareprodukten die Kundenwünsche häufig von der ursprünglichen Planung abwichen. Früher war es so, dass der Kunde zu Beginn der Planung stark einbezogen wurde, im weiteren Verlauf der Umsetzung seine Einflussnahme aber sank. Er bekam praktisch am Ende das Produkt, das der Auftragnehmer als Kundenwunsch am Anfang verstanden zu haben glaubte. Kam es im Nachhinein zu Änderungswünschen, waren diese in der Regel sehr kostspielig.1

 

Was können Sie bei der Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke von agilem Denken lernen?

1. Ihre Mitarbeiter sind Ihre Kunden

Einer der Grundsätze agilen Handelns ist die starke Einbeziehung des Kunden in den Entwicklungsprozess vom Beginn bis zum fertigen Produkt. Das führt nicht nur zur Kostenersparnis sondern auch zu einer größeren Kundenzufriedenheit, denn Ihre Mitarbeiter sind Ihre Kunden.

Götz W. Werner hat in seinem Buch „Womit ich nie gerechnet habe“ eine Frage gestellt, die ihm Hellmuth J.ten Siethoff mit auf den Weg gegeben hatte: Sind die Mitarbeiter für das Unternehmen da oder das Unternehmen für die Mitarbeiter?2 – eine sehr spannende Frage, wie ich finde. Wie würden Sie sie beantworten?

Beziehen Sie also Ihre Mitarbeiter (Ihre Kunden) von Beginn an in den Prozess mit ein!

Starten Sie zum Beispiel mit einer Umfrage zu den Wünschen Ihrer Mitarbeiter an Sie als Arbeitgeber. So stellen Sie Zufriedenheit sicher.

Gerne stellen wir Ihnen auf Anfrage kostenfrei einen Fragebogen zur Verfügung.

 

Weshalb die Wünsche Ihrer Mitarbeiter so wichtig sind?

Sie müssen immer davon ausgehen, dass die Wünsche Ihrer Mitarbeiter andere sein können als Sie glauben.

Lassen Sie es uns am Beispiel von Geschenken anschauen. Hier hören wir in unserer Praxis oft Geschichten, wie sich eine gute Absicht in ihr vollkommenes Gegenteil verkehren kann: Sie geben sich als Arbeitgeber die größte Mühe und ernten im schlimmsten Fall Missmut über eine Gabe zum Geburtstag oder das Weihnachtsgeschenk. „Wie undankbar“, denken Sie dann und sind ebenfalls verärgert. Ist Ihnen das auch schon einmal passiert?

Wie können Sie das Problem lösen?
Sicher: Sie können es nie allen Recht machen, aber fragen hilft!

Statt des obligatorischen Blumenstraußes würde der eine oder andere sich möglicherweise viel mehr über ein Buch oder einen Wellness-Gutschein freuen. Das mag Ihnen nicht so bedeutsam erscheinen, macht aber einen riesigen Unterschied für die Mitarbeiter.

Gleiches gilt für Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten, die Entscheidung, ob Mitarbeiter lieber mehr Urlaubstage oder eine Gehaltserhöhung möchten etc. Bei der Deutschen Bahn hat man in diesem Frühjahr in den Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft den Mitarbeitern freigestellt, ob sie mehr Urlaub oder mehr Geld möchten. 56% der Befragten haben sich für mehr Urlaub entschieden, nur 41% für eine Gehaltserhöhung. Wie würde das Ergebnis aussehen, wenn Sie Ihren Mitarbeiter diese Frage stellen?

Heben Sie Ihre Mitarbeiter in den Kundenstatus und beziehen Sie sie in die Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke aktiv mit ein!

 

2. Einbeziehung – das A & O Ihres Erfolgs

Die Einbeziehung bezieht sich auf den gesamten Prozess – also auch auf die Umsetzung! Es geht nicht darum, dass Sie die Wünsche einsammeln und diese dann erfüllen. Ein produktives Miteinander – das ist ein Grundsatz der Agilität!

Was können Sie noch aus den agilen Methoden für Ihr Employer Branding nutzen?

 

3. Viele kleine Schritte (oder Sprints) führen zu großen Veränderungen

Es macht wenig Sinn, ein großes Gesamtkonzept zu entwickeln, dieses umzusetzen und dem Glauben zu verfallen, nun haben Sie es geschafft und sind ein TOP-Arbeitgeber. Employer Branding ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.

Und hier treffen wir wieder auf agile Methoden: Es ist mehr als sinnvoll, auch bei der Entwicklung Ihrer Arbeitgebermarke, in kleinen Etappen vorzugehen.  Im agilen Projektmanagement werden diese zum Teil als Sprints bezeichnet.

 

So können Sie Ihr Employer Branding agil angehen:

  1. Gründen Sie ein Team, in das Sie Ihre Mitarbeiter auf jeden Fall mit einbeziehen. Hier ist es wichtig, dass Sie ihnen auch die entsprechenden Freiräume zur Verfügung stellen, damit sie sich um das Projekt kümmern können. Das Team arbeitet selbstorganisiert.
  1. Unterteilen Sie also das Gesamtprojekt in Teilprojekte wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit, Weiterbildung etc.
  1. Legen Sie einen Zeitrahmen (möglichst kurz! – oft wird hier im Wochen- oder 2-Wochenrhythmus gearbeitet) fest, in dem Sie an dem Projekt arbeiten wollen.
  1. Treffen Sie sich täglich! und tauschen Sie sich kurz aus
    1. Was Sie am Vortag geschafft haben
    2. Wo Sie Hilfe/Unterstützung brauchen
  2. Nach dem Abschluss eines Sprints wird das Vorgehen reflektiert und auf dieser Grundlage die nächsten Schritte vereinbart.

So stellen Sie sicher, am Ball zu bleiben und den Überblick zu behalten.

 

Hilfreich ist es, für Ihren Überblick beim tägliches Austausch mit einem Task Board zu arbeiten:

Nehmen wir mal an, in Ihrer Firma steht flexibles Arbeiten ganz oben auf der Wunschliste! Dann könnte die Tabelle so aussehen:

To do

in Arbeit

erledigt

Anpassung an unsere spezifische Situation

Prüfung (extern) rechtlicher Rahmenbedingungen

Zusammenstellen möglicher Modelle

Gespräche mit den Mitarbeitern

 

 

Vereinbarungen treffen

 

 

 

 

 

Wenn also das Thema „flexible Arbeitszeiten“ abgeschlossen ist, könnten Sie sich dem nächsten Punkt auf der Bedürfnisliste Ihrer Mitarbeiter zuwenden.

 

Soviel als Einstieg. Haben Sie Fragen und Anregungen? Dann scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren. Wir werden uns dem Thema auch in weiteren Blogbeiträgen zuwenden.

Erst einmal wünschen wir Ihnen viel Freude bei der Umsetzung!
Ihre Kathrin Scheel

 

PS: Im Rahmen unseres Sommerfestes am 16.09.2017 gibt es übrigens auch einen kostenfreien Impuls-Workshop zum Thema und andere Highlights. Schauen Sie hier, welcher Impuls-Vortrag Sie anspricht: Impuls-Workshops

Ab 19.00 Uhr gibt es dann einen Austausch – fürs Kulinarische ist gesorgt.

Für alle, die sich mehr für das Thema Employer Branding interessieren: Am 16.09.2017 erscheint unser eBook (auch als pdf lesbar ohne eReader!) zum Thema Employer Branding. Bis Ende September zum Einstiegspreis für € 9,90!

 

Und hier noch ein weiterer Blogbeitrag zum Thema:

frag zeitsprung #8: Hilfe, mein Team arbeitet agil – Führungskräfte auf verlorenem Posten?

 

Unsere Literaturempfehlung zum agilen Projektmanagement ist das Buch von Jörg Preußig, Agiles Projektmangement. Hier ist aus unserer Sicht das Wichtigste zum Thema kurz, knapp und sehr praxisnah & anwendungsbereit zusammengefasst.

1 Jörg Preußig, Agiles Projektmanagement, S. 6ff.; 2 Götz W. Werner, Womit ich nie gerechnet habe, Econ, 2013

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