Eigeninitiative fördern – ein Widerspruch in sich?

Eigeninitiative 1 Comments Juliane Scheel

Eigeninitiative: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter mitdenken! So geht’s.

Ich habe ja im Moment die Gelegenheit, einen tieferen Einblick in unser Schulsystem zu bekommen. Und hier macht mich ein Umstand besonders betroffen: Die Kids haben kaum inneren Antrieb. Sie bekommen Anweisungen und diese befolgen sie (oder eben auch nicht, aber das ist ein anderes Thema …). Das ist es, was sie kennen: Anweisungen befolgen oder dagegen rebellieren. Was machen diese jungen denn Menschen nun, wenn sie nach der Schule ins Leben gehen, in die Wirtschaft?

 

Ich persönlich bin ja großer Freund davon, Eigeninitiative zu fördern, weil das immer auch Sinnstiftung bedeutet und Voraussetzung ist, um als Arbeitgeber auch für junge Generationen attraktiv zu bleiben.

 

Was hat Eigeninitiative mit Employer Branding zu tun und wie kann ein Unternehmen überhaupt Einfluss darauf nehmen, dass Mitarbeiter und Führungskräfte Initiative ergreifen? Um dem auf den Grund zu gehen, müssen wir erstmal folgendes klären:

 

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Eigeninitiative entstehen kann?

Aus meiner Sicht braucht es vor allem folgendes:

  1. Regelmäßige Reflexion zu den Aufgaben des Mitarbeiters
  2. Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung durch den Mitarbeiter
  3. Dem Mitarbeiter Handlungsspielräume lassen
  4. Eine gute Fehlerkultur

  

Die Unternehmensleitung setzt den Rahmen

Grundvoraussetzung ist, dass die Unternehmensleitung überhaupt dazu bereit ist, Handlungsspielräume zu schaffen, in denen sich Mitarbeiter „ausprobieren“ und wirklich Verantwortung übernehmen können. Das bedeutet vor allem ein gegenseitiges Miteinander: Welche Vorschläge hat der Mitarbeiter? Wie schätzt die Führungskraft das ein, was kann umgesetzt werden? Wie können etwaige Hürden umgangen werden? Um all das zu beantworten, bedarf es einen ständigen Dialogs auf Augenhöhe!

Werfen wir nochmal einen Blick auf die oben genannten vier Punkte. Gehen Sie dazu mit Ihren Mitarbeitern ins Gespräch. Folgende Fragen können Sie gemeinsam klären:

Reflexion:

  • Wie sehen Sie Ihre Aufgaben?
  • Was beinhalten sie?
  • Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie?

Verantwortung:

  • Welche Voraussetzungen brauchen Sie, um die volle Verantwortung für Ihr Tun zu übernehmen?
  • Wo können wir Sie als Unternehmen unterstützen in Bezug auf Qualifizierung, Abläufe & Prozesse, materielle Mittel und Unternehmenskultur?

Handlungsspielräume:

  • Wie viel Spielraum lässt Ihre Aufgabe zu?
  • Wie fest oder flexibel ist der Rahmen gezogen?
  • An welcher Stelle wünschen Sie sich mehr Entscheidungsfreiräume?

Fehlermanagement:

  • Wie ist es aus Ihrer Sicht um die Fehlerkultur in unserem Unternehmen bestellt?
  • Inwiefern findet ein konstruktiver Umgang mit Fehlern statt?

Hier noch ein Tipp: Stellen Sie Ihren Mitarbeitern offene Fragen! Geschlossene Fragen werden in der Regel mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet und „schließen“ die Kommunikation. Sie wollen jedoch in einen inspirierenden Gedankenaustausch treten!

Und noch ein Punkt, den Sie beachten müssen:

 

Entwicklung birgt Konfliktpotenzial

Hand auf’s Herz: Veränderungen – selbst die guten – werden nicht immer mit offenen Armen aufgenommen. Wenn Sie Eigeninitiative fördern wollen, kann das erst einmal Widerstände hervorrufen - und zwar nicht nur bei der Unternehmensführung, sondern auch im Kollegium selbst.

Um Konflikte gar nicht erst eskalieren zu lassen, hilft vor allem eines: Reden, reden und nochmals reden. Und zwar rechtzeitig, das heißt, am besten sofort! Hier und hier können Sie nochmal nachlesen, wie Sie mit Konflikten möglichst konstruktiv umgehen.

 

An dieser Stelle nur nochmal in aller Kürze: die wichtigsten Stolpersteine bei der Förderung von Eigeninitiative. 

 

Geduld und Verständnis für Widerstände

Führungskräfte berichten uns oft von ihren Versuchen, die Mitarbeiter einzubeziehen. Auf Fragen, wie wir sie oben empfohlen haben, erhalten sie allerdings oft nur ein „weiß nicht“ oder ein Schulterzucken. Üben Sie sich hier in Geduld. Wenn Ihre Mitarbeiter eine Schul- und vielleicht auch Arbeitskarriere wie oben beschrieben durchlaufen haben, legen Sie den Schalter nicht von heute auf morgen um.

Vertrauen wachsen lassen

Sehen Sie die Widerstände als kompetente und achtenswerte Rückmeldungen Ihrer Mitarbeiter. Hinterfragen Sie deren Erfahrungen in Sachen Eigeninitiative. Oft sind in der Vergangenenheit Intitiativen abgeschmettert oder als unsinnig zurückgewiesen worden. In diesem Fall müssen Sie erst einmal Vertrauen aufbauen. Hören Sie Ihren Mitarbeitern aufmerksam zu.

Mit Fehlerakzeptanz zum Erfolg

Einer der Knackpunkte für die Förderung von Initiative ist aus unserer Sicht der Umgang mit Fehlern. Und hier kann ich sehr leicht wieder den Bogen zur Schule spannen, denn hier bedeuten Fehler in erster Linie schlechte Noten, was wiederum weniger Chancen bedeutet. So haben wir es alle, oder zumindest die allermeisten von uns, jahrelang gelernt und erfahren. Es bedeutet viel Arbeit, von diesem Denken – und vor allem von den mit Fehlern verbundenen schlechten Gefühlen – wieder ablassen zu können.

Denn, und das wissen Sie als Unternehmer selbst nur zu gut: Ohne Fehler geht es nicht. Erfolg ist ohne Fehltritte, Rückschläge und Niederlagen schlichtweg nicht möglich. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen:

Ein konstruktiver Umgang mit Fehlern ist der Schlüssel zum Erfolg!

Fehler als Wegweiser, sozusagen. Angst vor Fehlern verhindert Entwicklung. Denn wer kann schon unter Angst produktiv sein, geschweige denn Mut zu Neuem entwickeln? Denken Sie also um: Statt den Rotstift anzusetzen, stellen Sie die Frage: Was können wir anders machen? Und dabei können Sie sicher sein: Lösungen lauern überall! Sie müssen sie nur zulassen!

 

Und was bringt das alles?

 

Eigeninitiative zu fördern ist also nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen und mit Sicherheit ein Prozess. Aber es lohnt sich, es lohnt sich so sehr! Für das Unternehmen und für die persönliche Weiterentwicklung jedes Einzelnen. Und das sage nicht nur ich, das ist auch objektiv so belegt. Wer eigeninitiativ arbeitet, der:

  • bewältigt (Arbeits-)Anforderungen erfolgreicher durch aktives Herangehen
  • kann besser mit Stresssituationen umgehen
  • plant seine Karriere proaktiv und setzt Ziele dementsprechend besser um.  

Natürlich, am Ende des Tages ist Eigeninitiative eine Qualität, die jeder aus sich heraus entwickeln muss. Dennoch ist die Umgebung, in diesem Fall also das Unternehmen, der ausschlaggebende Punkt, um dieser Entwicklung einen Nährboden zu geben.

 

Sorgen Sie also für eine angenehme und auf Entwicklung ausgerichtete Umgebung und Sie werden mit aktiven, mitdenkenden und lösungsorientierten Mitarbeitern belohnt werden und Sie tun gleichzeitig eine ganze Menge, um sich zu einem attraktiven Arbeitgeber zu entwickeln!

 

Viel Erfolg und Freude dabei!

 

Ihre Juliane Scheel

 

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Juliane Scheel

Juliane Scheel ist studierte Kommunikationswissenschaftlerin (M.A. Interkulturelle Kommunikation) und arbeitet als aktive Texterin und Lektorin sowohl im wirtschaftilchen als auch im akademischen Bereich. Zudem gibt sie Seminare und Schreibberatungen und ist damit zeitsprungs Fachfrau rund um die Themen Text und Kommunikation.

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Kommentare

Jürgen Zech, Karriereberater
Jürgen Zech, Karriereberater

Hallo Frau Scheel, Sie sprechen mir mit Ihrem Artikel über Eigeninitiative aus der Seele. Oft haben aber Chefs & Unternehmen zu viel Angst den Mitarbeitern ganz offiziell mehr Mitspracherechte in Form von mehr Eigeninitiative zuzugestehen. Denn mehr Eigeninitiative bedeutet mehr Diskussionen und Machtverlust für die Führungskräfte. Aber wenn man sich die kurzen Verweildauern von Spitzen-Führungskräften von 1-4 Jahren pro Position ansieht und die Firma dabei nicht pleite geht, kann man annehmen, dass die Mitarbeiter schon heute mehr Eigeninitiative übernehmen als Führungskräfte denken.

Antwort von Kathrin Scheel

Hallo Herr Zech,

haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich stimme Ihnen zu, mehr Einbeziehung und Eigenverantwortung bedeutet in der Regel erstmal eine Investition an Zeit und Mühe - aber es lohnt sich langfristig auf jeden Fall!

Viele Grüße

 

Kathrin Scheel