Eine Berlin-Düsseldorfer Coachingagentur setzt auf Führungskultur 2.0

zeitsprung Dominic Böhmer

--Von André Spangenberg--

Berlin – Die Unternehmenskultur in Deutschland steht vor einer Zeitenwende: Der hierarchisch geprägte Führungsstil des 20. Jahrhunderts wird einer mitarbeitergeprägten Zusammenarbeit weichen. „Weichen müssen“, sind Kathrin Scheel und Dominic Böhmer von der Coaching- und Beratungsagentur „Zeitsprung“ (Berlin/Düsseldorf) überzeugt. Gut beraten sei, wer sich rechtzeitig darauf einstelle.

„Es ist nicht mehr die Frage, ob ein solcher Wechsel geschieht, sondern wie er vollzogen wird“, sagen beide Unternehmensberater und Führungs-Coaches aus ihrer Erfahrung. Denn gerade die jungen, gut ausgebildeten Leute forderten ihr Mitspracherecht in der Firma ein. „Und sie haben auch die Macht dazu“, erläutert Böhmer. „Denn wenn der Arbeitgeber auf seinem patriarchalischen Stil beharrt, ziehen sie einfach weiter. Das kann sich kein Unternehmen auf Dauer leisten.“

Böhmer weiß, wovon er spricht. Begonnen hat der gelernte Diplom-Ingenieur sein Berufsleben bei einer großen deutschen Bank im Inhouse Consulting. Über Jahre hinweg entwarf er Projekte, deren Umsetzung in der Hand von anderen lag. „Ich hatte einfach Lust auf eine erfolgreiche Umsetzung von Modellen“, begründet er seinen beruflichen Wechsel, der ihn zunächst in eine Unternehmensberatung nach Düsseldorf führte. Das Fazit des heute 40-Jährigen: „Das Scheitern liegt weniger in den Konzepten an sich, sondern wie sie entstanden sind.“

Das bestätigt auch Scheel, die auf mehr als zehn Jahre Coaching-Erfahrung zurückblicken kann. Und auf eigenes Erleben als junge Führungskraft. „In meiner ersten Personalverantwortung habe ich selbst einen sehr dominanten Führungsstil praktiziert. Das war damals so üblich“, weiß die heute 55-Jährige zu berichten. Doch sei schon damals kein nachhaltiger Erfolg erzielt worden. Etliche Aus- und Weiterbildungen später – etwa in systemischer Organisationsentwicklung, Coaching, NLP, Wing Wave, hypnosystemische Konzepte oder Strukturaufstellung – weiß sie auch warum: „Es ist das Vertrauen in die Menschen, dass sie Veränderungen können. Das macht den Unterschied zwischen Führungsperson und Führungsposition aus.“

Jetzt haben sich der gebürtige Baden-Württemberger und die Berlinerin zum dem West-Ost-Projekt „Zeitsprung“ zusammengetan. Von ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnissen profitierten die Kunden, zu denen kleine, mittelständische Unternehmen genauso gehören wie ein europaweit tätiges großes Logistik- und Transportunternehmen. Wichtig ist den beiden, dass Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam eigene Lösungen entwickeln.

Worin liegt ihr Erfolgskonzept? „Normalerweise hört Beratung auf, wenn ein Konzept fertig ist. Dann ist das Unternehmen zumeist allein in der Umsetzung. Und so fallen in der Regel 70 Prozent der durchaus guten Ideen hinten runter, nur 30 Prozent werden umgesetzt. Wir aber helfen genau an diesem Punkt“, sagt Böhmer. Denn die zumeist logisch aufgebauten Konzepte hätten einen Schwachpunkt: Sie seien ohne die Mitarbeiter entstanden, ohne Konflikte im Vorfeld, ohne Motivation der Führungskräfte. Und würden daher oft als Fremdkörper empfunden, „der dann abgestoßen wird“.

Unternehmen müssen sich ändern, weil sich Kunden ändern, Märke entwickeln und Ansprüche wachsen. Viele Firmen reagierten aber auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts mit Antworten des 20. Jahrhunderts. Gemäß der Devise: Die Führungsetage weiß ja, was sie macht, und die Weitergabe von Informationen ist ein Privileg. Zudem erfolgt die Einbeziehung der betroffenen Mitarbeiter nur selektiv. „Dabei sind letztlich die Mitarbeiter die Experten im Unternehmen“ betont Scheel. Da ist die alte Oben-Unten-Frage hinderlich.

Genau hier setzt „Zeitsprung“ an. Ein externer Blick kann helfen, Strukturen aufzubrechen, Initiative zu fördern und neue Ideen zu entwickeln. „Aber nicht nach dem Motto: Wir schlauen Berater sagen euch Dummies, wo es lang geht und motivieren euch anschließend dafür. Nein, das muss aus dem Unternehmen, aus dem Team selbst kommen – und es kommt auch“, unterstreicht Scheel. Als Beispiel führt sie ein größeres Unternehmen an, wo es gelungen sei, in einem eigentlich auf Persönlichkeitsfindung orientierten Workshop letztlich eine „Zukunftsidee“ für die Firma zu entwickeln.

Unternehmensberatung und Coaching gehören für die beiden Agenturinhaber zusammen. „Der Coach als Guru hat ausgedient“, ist sich Scheel sicher. Es gehe eben nicht allein darum, die Führungskräfte zu stärken, sondern die Mitarbeiter zu motivieren – durch Einbeziehung in die Konzeptentwicklung. Und Böhmer ergänzt: „Viele Unternehmen leiden darunter, dass die Führungsebene Strategien definiert und daraus Projekte entwickelt, ohne die Strukturen zu ändern. So landen fromme Konzepte auf Powerpoint-Folien, die nicht in der Praxis umgesetzt werden können.“

Der Anspruch von „Zeitsprung“ ist es, ein interaktives Beratungsmodell statt fertiger Blaupausen anzubieten. „Wir setzen auf Umsetzungsdynamik statt auf Beschlussdynamik“, umreißt Böhmer das Verständnis der Beratungs- und Coachingagentur. Denn nur wenn frühzeitig Mitarbeiter einbezogen und Widerspruch geduldet wird, kann der Wandel gelingen, betont Böhmer und fügt hinzu: „Weil so das Widerstandsdenken und der Wunsch reduziert werden, das Paket später noch einmal aufzuschnüren.“

Mit einem Vorurteil wollen Scheel und Böhmer zum Schluss noch aufräumen: Dass sich nur große Unternehmen solche Beratungsleistungen leisten könnten. „Im Gegenteil: Gerade kleine Unternehmen oder Mittelständler sind mehr denn je darauf angewiesen, nicht nur ihre Nachfolge zu regeln, sondern ihre Führungskultur umzustellen“, unterstreicht Böhmer. Und Scheel ergänzt: „Weil sich der Nachwuchs heute das Unternehmen aussuchen kann, das zu ihm passt.“ Oder anders gesagt: Die jungen Leute erwarten eine Führungskultur 2.0.

++

Zum Autor

André Spangenberg hat jahrzehntelange Erfahrung als Agenturjournalist und war lange Zeit bundespolitischer Korrespondent mit Schwerpunkt Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Heute ist er Mitglied der Geschäftsleitung einer renommierten Kommunikationsagentur.

 

 

Bildnachweis Titelfoto: Arthimedes/shutterstock.com

Schlagworte

Keinen Blogbeitrag mehr verpassen

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer

Dominic Böhmer ist Managementberater und Business Coach. Gemeinsam mit Kathrin Scheel hat er zeitsprung gegründet … für Unternehmen, die nachhaltige Veränderungen wollen und neben funktionierenden Prozessen & Strukturen auch Impulse für Führung & Zusammenarbeit suchen.

Zurück

Kommentare