frag zeitsprung #1: Agiles Employer Branding oder: Praktische Tipps für die Entwicklung Deiner Arbeitgebermarke

von | 16.10.2019 | Employer Branding

An jedem ersten Montag des Monats beantworten wir Deine Fragen rund ums Unternehmen. Ob es um Führung, Kommunikation, Motivation, Neugier & Innovation oder um Employer Branding geht – Du schickst uns Deine Fragen und wir greifen sie in unserem Blog auf. Schick uns Deine brennende Frage an info@zeitsprung-c2.de

Früher war alles besser!

Immer wieder werden wir mit dem Thema „Wie finde ich gute Mitarbeiter?“ gefragt oder besser gesagt konfrontiert. Denn meist sind es keine Fragen sondern Klagen, die sich so anhören:

„Es gibt keine gut ausgebildeten, engagierten Mitarbeiter mehr“ oder „Früher konnten wir unter einer Vielzahl von Bewerbern die besten auswählen, heute müssen wir nehmen, was wir bekommen.“

Diese Erfahrungen decken sich mit Studienergebnissen zum demografischen Wandel und Fachkräftemangel.

Dennoch: Du kannst etwas tun, indem Du Dich zum TOP-Arbeitgeber entwickelst. Große Unternehmen sind hier Vorreiter. Ja, wirst Du sagen, die verfügen auch über das entsprechende Potenzial – sowohl materiell als auch personell. Das können wir als kleines oder mittelständisches Unternehmen gar nicht leisten.

Damit hast Du erst einmal Recht. Da Dir das Problem jedoch erhalten bleibt, kommst Du nicht umhin, Lösungen zu finden.

Ein agiles Herangehen an das Thema ist aus unserer Sicht ein möglicher Schritt in die richtige Richtung.

Was macht agiles Arbeiten aus und welche Vorteile bieten agile Ansätze für die Entwicklung Deiner Arbeitgebermarke?

Agilität – was ist das eigentlich?

Nur ein neuer Zug, auf den jetzt alle aufspringen oder das Zaubermittel für jegliche Art von Problemen? Weder noch, sagen wir. Aber es gibt aus unserer Sicht Ansätze in den agilen Methoden, die Du gut für Dein Employer Branding nutzen kannst.

Angemerkt sei, dass es uns an dieser Stelle nicht darum geht, einen Fachartikel über agile Methoden zu schreiben. Das Thema ist zu komplex, als dass es in einen Blogbeitrag passen würde. Wir denken aber, dass agiles Denken sowie einige Vorgehensweisen auch für agile „Laien“ praktikabel sind.

Agiles Projektmanagement – woher kommt das eigentlich?

Lass uns mit einem kurzen Ausflug in die Entwicklung des agilen Projektmanagements starten: Zu Beginn unseres Jahrtausends haben Ken Beck und andere Softwareentwickler das sogenannte Agile Manifest entwickelt. Hintergrund war, dass im Prozess der Entwicklung von Softwareprodukten die Kundenwünsche häufig von der ursprünglichen Planung abwichen. Früher war es so, dass der Kunde zu Beginn der Planung stark einbezogen wurde, im weiteren Verlauf der Umsetzung seine Einflussnahme aber sank. Er bekam praktisch am Ende das Produkt, das der Auftragnehmer als Kundenwunsch am Anfang verstanden zu haben glaubte. Kam es im Nachhinein zu Änderungswünschen, waren diese in der Regel sehr kostspielig.1

Was kannst Du bei der Entwicklung Deiner Arbeitgebermarke von agilem Denken lernen?

1. Deine Mitarbeiter sind Deine Kunden

Einer der Grundsätze agilen Handelns ist die starke Einbeziehung des Kunden in den Entwicklungsprozess vom Beginn bis zum fertigen Produkt. Das führt nicht nur zur Kostenersparnis sondern auch zu einer größeren Kundenzufriedenheit, denn Deine Mitarbeiter sind Deine Kunden.

Götz W. Werner hat in seinem Buch „Womit ich nie gerechnet habe“ eine Frage gestellt, die ihm Hellmuth J.ten Siethoff mit auf den Weg gegeben hatte: Sind die Mitarbeiter für das Unternehmen da oder das Unternehmen für die Mitarbeiter?2 – eine sehr spannende Frage, wie ich finde. Wie würdest Du sie beantworten?

Beziehe also Deine Mitarbeiter (Deine Kunden) von Beginn an in den Prozess mit ein!

Starte zum Beispiel mit einer Umfrage zu den Wünschen Deiner Mitarbeiter an Dich als Arbeitgeber. So stellst Du Zufriedenheit sicher.

Gerne stellen wir Dir auf Anfrage kostenfrei einen Fragebogen zur Verfügung.

Weshalb die Wünsche Deiner Mitarbeiter so wichtig sind?

Du musst immer davon ausgehen, dass die Wünsche Deiner Mitarbeiter andere sein können als Du glaubst.

Lass es uns am Beispiel von Geschenken anschauen. Hier hören wir in unserer Praxis oft Geschichten, wie sich eine gute Absicht in ihr vollkommenes Gegenteil verkehren kann: Du gibst Dir als Arbeitgeber die größte Mühe und erntest im schlimmsten Fall Missmut über eine Gabe zum Geburtstag oder das Weihnachtsgeschenk. „Wie undankbar“, denkst Du dann und sind ebenfalls verärgert. Ist Dir das auch schon einmal passiert?

Wie kannst Du das Problem lösen?
Sicher: Du kannst es nie allen Recht machen, aber fragen hilft!

Statt des obligatorischen Blumenstraußes würde der eine oder andere sich möglicherweise viel mehr über ein Buch oder einen Wellness-Gutschein freuen. Das mag Dir nicht so bedeutsam erscheinen, macht aber einen riesigen Unterschied für die Mitarbeiter.

Gleiches gilt für Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten, die Entscheidung, ob Mitarbeiter lieber mehr Urlaubstage oder eine Gehaltserhöhung möchten etc. Bei der Deutschen Bahn hat man in diesem Frühjahr in den Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft den Mitarbeitern freigestellt, ob sie mehr Urlaub oder mehr Geld möchten. 56% der Befragten haben sich für mehr Urlaub entschieden, nur 41% für eine Gehaltserhöhung. Wie würde das Ergebnis aussehen, wenn Du Deinen Mitarbeitern diese Frage stellst?

Heb Deine Mitarbeiter in den Kundenstatus und beziehe sie in die Entwicklung Deiner Arbeitgebermarke aktiv mit ein!

2. Einbeziehung – das A & O Deines Erfolgs

Die Einbeziehung bezieht sich auf den gesamten Prozess – also auch auf die Umsetzung! Es geht nicht darum, dass Du die Wünsche einsammelst und diese dann erfüllst. Ein produktives Miteinander – das ist ein Grundsatz der Agilität!

Was kannst Du noch aus den agilen Methoden für Dein Employer Branding nutzen?

3. Viele kleine Schritte (oder Sprints) führen zu großen Veränderungen

Es macht wenig Sinn, ein großes Gesamtkonzept zu entwickeln, dieses umzusetzen und dem Glauben zu verfallen, nun hast Du es geschafft und bist ein TOP-Arbeitgeber. Employer Branding ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist.

Und hier treffen wir wieder auf agile Methoden: Es ist mehr als sinnvoll, auch bei der Entwicklung Deiner Arbeitgebermarke, in kleinen Etappen vorzugehen. Im agilen Projektmanagement werden diese zum Teil als Sprints bezeichnet.

So kannst Du Dein Employer Branding agil angehen:

  1. Gründe ein Team, in das Du Deine Mitarbeiter auf jeden Fall mit einbeziehst. Hier ist es wichtig, dass Du ihnen auch die entsprechenden Freiräume zur Verfügung stellst, damit sie sich um das Projekt kümmern können. Das Team arbeitet selbstorganisiert.
  2. Unterteile also das Gesamtprojekt in Teilprojekte wie zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit, Weiterbildung etc.
  3. Lege einen Zeitrahmen (möglichst kurz! – oft wird hier im Wochen- oder 2-Wochenrhythmus gearbeitet) fest, in dem Du an dem Projekt arbeiten willst.
  4. Triff Dich täglich! und tausche Dich kurz aus
    1. Was Du am Vortag geschafft hast
    2. Wo Du Hilfe/Unterstützung brauchst
  5. Nach dem Abschluss eines Sprints wird das Vorgehen reflektiert und auf dieser Grundlage die nächsten Schritte vereinbart.

So stellst Du sicher, am Ball zu bleiben und den Überblick zu behalten.

Hilfreich ist es, für Deinen Überblick beim täglichen Austausch mit einem Task Board zu arbeiten:

Nehmen wir mal an, in Deiner Firma steht flexibles Arbeiten ganz oben auf der Wunschliste! Dann könnte die Tabelle so aussehen:

To do

Anpassung an unsere spezifische Situation

Gespräche mit den Mitarbeitern

Vereinbarungen treffen

in Arbeit

Prüfung (extern) rechtlicher Rahmenbedingungen

erledigt

Kommunikation
(Soulbottles Bsp.)

Wenn also das Thema „flexible Arbeitszeiten“ abgeschlossen ist, könntest Du Dich dem nächsten Punkt auf der Bedürfnisliste Deiner Mitarbeiter zuwenden.

Soviel als Einstieg. Hast Du Fragen und Anregungen? Dann scheu Dich nicht, uns zu kontaktieren. Wir werden uns dem Thema auch in weiteren Blogbeiträgen zuwenden.

Erst einmal wünschen wir Dir viel Freude bei der Umsetzung!

Deine Kathrin Scheel

Unsere Literaturempfehlung zum agilen Projektmanagement ist das Buch von Jörg Preußig, Agiles Projektmangement. Hier ist aus unserer Sicht das Wichtigste zum Thema kurz, knapp und sehr praxisnah & anwendungsbereit zusammengefasst.

1 Jörg Preußig, Agiles Projektmanagement, S. 6ff.2 Götz W. Werner, Womit ich nie gerechnet habe, Econ, 2013

Kathrin Scheel – Expertin für Organisationsentwicklung

Kathrin Scheel

Kathrin Scheel ist Management Executive Coach (ECA), Lehrcoach und Lehrtrainerin (ECA) sowie Trainerin für Führung & Entwicklung. Und sie ist Mitgründerin von zeitsprung. Ihr sind die Einbindung von Führungskräften und Mitarbeitern im Unternehmen sowie deren Entwicklung sehr wichtig.

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